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dienstag: die öffentliche meinung

175 Jahre Einsamkeit?

Der Fall Julian Assange ist ein gruseliges Beispiel dafür, wie politische Macht genutzt und missbraucht werden kann, um einen Menschen mundtot zu machen und zu zerstören; und das unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Was Assange getan hat, was ihm von den US-Anklägern vorgeworfen wird: Die Veröffentlichung von geheimen Informationen (unter Mithilfe von Chelsea (damals Bradley) Manning), insbesondere betreffend den Krieg im Irak und in Afghanistan und dort begangene Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen.

Eigentlich ist die Veröffentlichung derartiger Schweinereien eine journalistische Selbstverständlichkeit (oder sollte es sein) und es kotzt mich außerordentlich an, was daraus gemacht wurde: Ein Mammutverfahren mittels des rechtlichen „Gefährts“ Espionage Act 1917 mit einer maximalen Strafandrohung von 175 Jahren Unfreiheitsstrafe. Dass gegen Assange persönlich (in Schweden) auch wegen Sexualdelikten ermittelt wurde – auch hierzu gibt es ausführliche Artikel und die Stichhaltigkeit der Anschuldigungen ist umstritten, weshalb ich mich da raushalten möchte – hat nichts damit zu tun, da die Handlungen Assanges in Schweden die Pressefreiheit nicht tangieren und es eben nicht darum geht, ob Assange nur Opfer ist oder auch Täter.

Nein, es geht darum, dass es erlaubt sein muss, Informationen über solche durch das Militär begangene Morde und weitere Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen. Es geht darum, dass hier quasiarchaische Gesetze benutzt werden, um die Pressefreiheit zu zerschießen. Der Espionage Act ist auch nicht viel besser als das stationäre Maschinengewehr mit dem aufgepeitschte Soldaten in bester Call of Duty Manier von ihrem Helikopter aus wahllos auf Menschen geschossen haben.

Assange ist ganz sicher kein Heiliger und noch nicht einmal ein besonders gutes Vorbild für Investigative. Aber was die politische Führung und die Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten da abziehen, ist erbärmlich und Ausdruck einer rückwärtsgerichteten, repressiven Machtpolitik, die anderen Journalisten und investigativ tätigen Menschen schlicht Angst machen soll. Ekelhaft!

Mehr zum Thema:

https://netzpolitik.org/2020/julian-assange-pressefreiheit-vor-gericht/

https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

https://www.newyorker.com/news/our-columnists/charging-julian-assange-under-the-espionage-act-is-an-attack-on-the-first-amendment

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montag: musique

Here’s to you, Ennio

Ennio Morricone ist am 6. Juli 2020 in Rom gestorben. Ich kann mich erinnern, weil ich da blöderweise Geburtstag hatte. Bekannt geworden ist Mr. Morricone durch seine Musik, die er vor allem für Filme komponiert hat. Und obwohl das hauptsächlich Instrumentalmusik war, gab es auch Mal Gesang, so wie bei dem von Joan Baez berühmt gemachten „Here’s to you“. Spotify sagt: Mein Topsong 2020 und da Chöre vor allem laut bombastisch wirken, hassen mich meine Nachbarn jetzt noch ein wenig mehr. Dann mal los!

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sonntag: lutaretir

Comanche Attacks!

“A legion of horribles, hundreds in number, half naked or clad in costumes attic or biblical or wardrobed out of a fevered dream with the skins of animals and silk finery and pieces of uniform still tracked with the blood of prior owners, coats of slain dragoons, frogged and braided cavalry jackets, one in a stovepipe hat and one with an umbrella and one in white stockings and a bloodstained wedding veil and some in headgear or cranefeathers or rawhide helmets that bore the horns of bull or buffalo and one in a pigeontailed coat worn backwards and otherwise naked and one in the armor of a Spanish conquistador, the breastplate and pauldrons deeply dented with old blows of mace or sabre done in another country by men whose very bones were dust and many with their braids spliced up with the hair of other beasts until they trailed upon the ground and their horses‘ ears and tails worked with bits of brightly colored cloth and one whose horse’s whole head was painted crimson red and all the horsemen’s faces gaudy and grotesque with daubings like a company of mounted clowns, death hilarious, all howling in a barbarous tongue and riding down upon them like a horde from a hell more horrible yet than the brimstone land of Christian reckoning, screeching and yammering and clothed in smoke like those vaporous beings in regions beyond right knowing where the eye wanders and the lip jerks and drools.”

― Cormac McCarthy, Blood Meridian, or the Evening Redness in the West

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samstag: open up!

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Wenn ein Wort so fad im Munde schmeckt, wie ein zehn Monate gekautes Kaugummi. Ich kann es nicht mehr hören, ich kann es nur noch umbenennen. Ein Agent mit 200 Pässen, der sich pandemisch um die Welt würgt. Ich werde Corinna nicht vermissen und jetzt geht es ihr ja endlich an den frisch vaccinierten Kragen. Also Rona, war nicht schön mit uns und nun ab ins Geschichtsbuch! Ja, du warst gemeint, CV19.vir! Bitte, einfach tief einatmen und abdüsen Weiruss! Nimm einfach den gleichen Ausgang wie therealDonald! Ab in die Unterwelt mit dir, wir brauchen dein Wort noch für die Sterne!

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freitag: mensch+maschine

Der Bucket der Pandora

Eine Spielkonsole mit Huhnwarmhaltefach? Wer versucht hier die Grenzen der Sinnlosigkeit neu auszuloten? Jetzt sicher: Der Bucket der Pandora wurde geöffnet! Bitte ganz schnell die gerufenen Geister einfangen! Und wo zur Ausgeburt der Hölle ist der Deckel zum Topf?

Bucket der Pandora (Werbeanzeige KFC (unbezahlt))

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donnerstag: celluloid

Einige Lieblingsfilme 2020

Ich habe das Jahr des sozialen schwarzen Lochs ua dafür genutzt mein Filmwissen zu erweitern. Ich stelle euch drei Filme vor, die mir besonders positiv in Erinnerung geblieben sind:

8 1/2 von Federico Fellini
Fantastico, ästhetischster Film ever? Vorher nie gesehen. Es geht um einen Regisseur in der Schaffenskrise (beliebtes Thema, zuletzt bei Almodovar umgesetzt). Ein Rausch in schwarz-weiß, OK, ich war auch high.

Spoorloos von George Sluizer
Unkonventionell und echt erzählter Crime-Thriller. Ein Paar fährt in den Urlaub und sie verschwindet an einer Tankstelle. Das Ende ist brilliant und …

Videodrome von David Cronenberg
Wunderbarer 80er Trashklassiker. Zentrales Thema: Ein verbotenes Video. Für alle die Videotheken vermissen. Nicht wegen der Filme, sondern wegen der nerdy-creepy atmosphere.

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mittwoch: freakyfuckedup

Deckenlampe Series XS

Das hatte ich mir doch besinnlich ausgemalt. RONA-Weihnachten braindead vor der neuen XBOX, weil Kontaktminimierung und so. Und dann kam Hermes, nicht der Götterbote, nein, das Schweinetransportunternehmen (Meinungsäußerung!) mit den miesen Löhnen (Meinungsäußerung mit wahrem Tatsachenkern). Und schickt mir nach einer angemessenen Lieferverzögerung von drei Tagen (Adresse nicht gefunden, Adresse dann doch irgendwie gefunden) eine alte, staubige Deckenlampe. Huch!? Hat da jemand den Paketinhalt vertauscht?

Ich habe jetzt den ganzen Ärger und jemand anderes die Xbox, aber ich sehe das ganz entspannt. Es ist doch schön, wenn ich jemandem mit der Daddelmaschine eine Freude machen konnte! Und wenn ich mich über Weihnachten „geistig höherem“ widme, als Gears of War 127, dann wird das schon fast zum win-win.

Deckenlampe Series XS
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dienstag: die öffentliche meinung

frag den staat

aus aktuellem anlass möchte ich auf fragdenstaat.de hinweisen, ein projekt, was sich mit anfragen auf grundlage des informationsfreiheitsgesetzes beschäftigt. das ist u.a. deswegen interessant und wichtig, weil weite teile der demokratischen entscheidungsprozesse weiterhin intransparent sind und damit schwer nachzuvollziehen bleibt, was die beweggründe der entscheidungen tatsächlich waren. fds beschreibt anliegen und prozess des projektes detailliert auf ihrer website, mit zahlreichen beispielen und dokumenten unterlegt, und beweist damit, dass sie selbst transparenz walten lassen, insofern schaut einfach dort vorbei. ihr seid daneben herzlich eingeladen anfragen zu stellen oder an fds zu spenden.

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montag: musique

Pete Seeger – Little Boxes

Eine wunderbar treffende musikalische Aufarbeitung des Konformismus, die ich bevorzugt in Büroumgebungen auflege.

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sonntag: lutaretir

Groß-Stadt-Weihnachten

Nun senkt sich wieder auf die heim′schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
„Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!“

Und frohgelaunt spricht er vom ′Weihnachtswetter′,
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …
„Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.“

Kurt Tucholsky
(* 09.01.1890, † 21.12.1935)

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samstag: open up!

die möglichkeit einer auster

zusammenfassend habe ich zu den letzten zwei monaten zu sagen: zwei monate

die abschottung ist dem menschen nicht in die wiege gelegt denn der mensch ist ein affe und keine auster und der affe ist sozial

Affen haben in den meisten Fällen ein komplexes Sozialverhalten entwickelt, Einzelgänger sind selten. Manche Arten bilden große gemischte Gruppen, andere leben in Haremsgruppen, in denen ein einzelnes Männchen zahlreiche Weibchen um sich schart, wieder andere leben in langjährigen monogamen Beziehungen. In Gruppen bildet sich oft eine Rangordnung heraus, die durch Kämpfe, Alter, Verwandtschaft und andere Faktoren bestimmt ist.

austern leben anders

Die Auster schützt sich gegen ihre zahlreichen Feinde durch eine außergewöhnlich dicke, harte und scharfkantige Schale. Bei der Auster sind die beiden Schalenklappen nicht gleich. Die untere = linke Schalenklappe ist deutlich gewölbt, in ihr liegt der Weichkörper. Diese Schale wächst im Jungstadium der Auster am Untergrund an. Sie bleibt dann zeitlebens unbeweglich. Die obere, rechte Schalenhälfte ist eher flach. Sie dient als Deckel und lässt sich öffnen und schließen. In geschlossenem Zustand ist die Schale praktisch völlig wasserdicht. Dadurch kann die Auster bis zu zwei Wochen außerhalb des Wassers überleben ohne auszutrocknen. Da Austern keine Möglichkeit zur Fortbewegung haben, sind sie darauf angewiesen, dass die Nahrung zu ihnen kommt. Sie leben daher vorzugsweise in der Gezeitenzone, wo die permanente Bewegung des Wassers stets frisches Plankton heranbringt. Auch Flussmündungen sind für Austern günstig, da Flüsse und Bäche nährstoffreiches Wasser führen.

ganz anders

wie fühlt sich ein austerisierter affe?

zusammenfassend habe ich zu den letzten zwei monaten zu sagen: zwei monate