Endlich Alfonso Cuaróns Roma gesehen und muss sagen, selten so schöne Filmphotographie gesehen. Da hat Netflix mal sein Geld hübsch investiert.
Schweincreme
Wie man aus Schweinefleisch Eis machen kann, oder eben Schweincreme.
Wir krächzen und ächzen uns durch unsere selbstverschuldete Unmündigkeit, ärgern uns völlig zu Recht über unsere Minister*Innen und warten, dass der Frühling wieder zurückkehrt. Und anderswo?
In China fallen keine Reissäcke um, sondern uigurische Menschen(rechte). In Myanmar tobt (so etwas wie) Bürgerkrieg. Indien und Pakistan üben sich in Alltagsdiskriminierung der härteren Sorte. Die Roma finden weiterhin kein zu Hause. Und was geht eigentlich so in Afrika? Schreibt ja fast keiner drüber…
Zeit also, etwas gegen diesen Sauhaufen zu tun, der weiterhin weite Teile unserer Welt unterjocht! Get up, stand up!
Der Eiermann
Easter
I have met them at close of day Coming with vivid faces From counter or desk among grey Eighteenth-century houses. I have passed with a nod of the head Or polite meaningless words, Or have lingered awhile and said Polite meaningless words, And thought before I had done Of a mocking tale or a gibe To please a companion Around the fire at the club, Being certain that they and I But lived where motley is worn: All changed, changed utterly: A terrible beauty is born. That woman's days were spent In ignorant good-will, Her nights in argument Until her voice grew shrill. What voice more sweet than hers When, young and beautiful, She rode to harriers? This man had kept a school And rode our winged horse; This other his helper and friend Was coming into his force; He might have won fame in the end, So sensitive his nature seemed, So daring and sweet his thought. This other man I had dreamed A drunken, vainglorious lout. He had done most bitter wrong To some who are near my heart, Yet I number him in the song; He, too, has resigned his part In the casual comedy; He, too, has been changed in his turn, Transformed utterly: A terrible beauty is born. Hearts with one purpose alone Through summer and winter seem Enchanted to a stone To trouble the living stream. The horse that comes from the road. The rider, the birds that range From cloud to tumbling cloud, Minute by minute they change; A shadow of cloud on the stream Changes minute by minute; A horse-hoof slides on the brim, And a horse plashes within it; The long-legged moor-hens dive, And hens to moor-cocks call; Minute by minute they live: The stone's in the midst of all. Too long a sacrifice Can make a stone of the heart. O when may it suffice? That is Heaven's part, our part To murmur name upon name, As a mother names her child When sleep at last has come On limbs that had run wild. What is it but nightfall? No, no, not night but death; Was it needless death after all? For England may keep faith For all that is done and said. We know their dream; enough To know they dreamed and are dead; And what if excess of love Bewildered them till they died? I write it out in a verse - MacDonagh and MacBride And Connolly and pearse Now and in time to be, Wherever green is worn, Are changed, changed utterly: A terrible beauty is born. William Butler Yeats, 1916
Das Innen-Außen-Problem
In den Berliner Parks war in den letzten Tagen der Bär los und das lässt der regierende Bärenmeister nicht auf sich sitzen. Es gibt jetzt in Berlin eine Ausgangsperre light, wie die FAZ formuliert.
„Von Karfreitag an dürfen sich Personen zwischen 21 Uhr und fünf Uhr morgens nur noch alleine oder zu zweit im Freien aufhalten. Ab Dienstag nach Ostern werden Regeln weiter verschärft. In Innenräumen dürfen sich dann zu privaten Treffen Angehörige eines Haushalts nur noch mit einer Person aus einem weiteren Haushalt treffen. Zwischen 21 und fünf Uhr sind keine Besuche von Personen aus einem anderen Haushalt erlaubt, die Angehörigen eines Haushalts müssen dann unter sich bleiben.“
Das offensichtliche Problem dabei: Sowas ist nicht ansatzweise kontrollierbar. Draußen schon kaum und drinnen gar nicht..
Zudem ist der typische Ansteckungsverlauf von Covid19 weiterhin (nach über einem Jahr) nicht ausreichend berücksichtigt .Wir wissen über Covid19-Infektionen vor allem folgendes: Sie finden in Innenräumen statt. Und wir wissen über Menschen: Soziale Kontakte sind für ihr Wohlbefinden notwendig, vor allem nach langen Phasen von wenigen sozialen Kontakten. Und: Menschen sind inkonsequent und keine Meister der Risikokalkulation, aber haben auch Angst Regeln (vor allem allein) zu brechen und sich zu exponieren.
Was folgt daraus für ein Regelwerk?
- Das Regelwerk muss so ausgerichtet sein, dass es Treffen in Innenräumen minimiert.
- Und es sollte zur Regeleinhaltung positiv motivieren.
- Und Regelverstöße sollten nach außen sichtbar sein.
Daran gemessen ist die nächtliche Ausgangsbeschränkung auf ein bis zwei Personen relativ witzlos, da sie keinen Fortschritt bietet. Hier wäre es tatsächlich sinnvoller gewesen, eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen. Nicht, weil man sich draußen ansteckt, nein, sondern um abendliche Besuche in anderen Haushalten zu verhindern, da der Regelbrecher sich sonst „verraten“ würde.
Die Beschränkungen für Treffen in Innenräumen sind dagegen nachvollziehbar, sie sind aber, wie bereits erwähnt, nicht kontrollierbar. Und da sie nicht durch eine Ausgangsperre „gedeckt“ werden, kommt es gerade nicht zu der wirksamen Exponierung, die den braven Bürger vom abendlichen Fremdbesuch abhält.
Zudem sind die Regelungen – und das ist schon seit November DAS Problem – zeitlich ungeschickt gestaltet. Wie wir wissen, haben wir es bei der Virenverbreitung mit einem grundsätzlich mathematisch vorhersagbaren Modell zu tun. Und wir wissen auch was die Verbreitung stark ausbremst, nämlich eine Reduzierung von Übertragungspozentialen über einen Zeitraum, in dem die Virenwirte noch ansteckend sind. Wenn dieses kritische Zeitfenster erreicht wird und ein Ansteckungszyklus abgelaufen ist, bricht das Verbreitungsmuster des Virus quasi zusammen.
Die richtige Vorgehensweise erscheint mir danach zu sein:
Die Menschen sollten dazu ermuntert werden, soziale Kontakte in den Außenbereich zu verlegen (Motivation schaffen sein Sozialkonto draußen zu füllen, statt drinnen. Ein Verbieten von sozialen Kontakten auch im Außenbereich ist jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr haltbar.).
Treffen in Innenbereichen werden soweit untersagt, wie dies eben möglich ist. Hier ist etwa die Verpflichtung zum Home-Office oder die Schulschließung zu nennen, beides Maßnahmen die nur inkonsequent durchgesetzt wurden und werden. (Hierbei ist es sehr wichtig die Maßnahmen jeweils von Anfang an fest zu befristen. Denn derart einschneidende Maßnahmen sind nicht lange durchhaltbar und werden dann besser befolgt, wenn ihr Sinn und Umfang von Anfang an erkannt wird. Sprint-Modell! Motivation!)
Um die jeweiligenen Verbote zu stützen, sind auch flankierende Maßnahmen sinnvoll, die nicht das Infektionsgeschehen direkt unterbinden, sondern indirekt hemmen. So hätte eine temporäre abendliche und nächtliche Ausgangsperre eben genau den psychologischen Effekt einer Exponierung von Regelbrechern. Aber auch hier ist das Framing der Maßnahme das Entscheidende. Also Befristung von Anfang an.
Es ist ein ziemlich erbärmlicher Vorgang, der sich hinsichtlich der pandemiepräventiven Regelfindung seit Ende Oktober 2020 in Deutschland abspielt. Die Vorgehensweise ist psychologisch nicht auf der Höhe, da die Bürger keine klaren Messages bekommen und auf der analytisch-medizinischen Ebene unzureichend, weil viel zu wischi-waschi, um tragende Effekte zu erzielen. Und trotzdem bin ich guten Mutes, dass wir es bald geschafft haben.
Eine Sendung zum Klimawandel im Primetimeprogramm ist aber sowas von genau der richtige Ansatz. Und wenn es dann gerade die RTL Zuschauer serviert bekommen, um so besser. Hoffen wir auf baldige Umsetzung. Science Please!
Klima vor acht spricht mit RTL über regelmäßiges Format (SPIEGEL)
Instylegram
Instagram ist vollgeladen mit Schrott. Agreed. Aber hier finden sich auch großartige Fotografien und Fotografen. Eine kleine Liste 10 cooler Accounts:
Ein denkwürdiger Moment war das, als unsere hauptberufliche Kanzlerin und Teilzeitmutter/-bewährungshelferin vor die Mikrofone trat und für einen Fehler (die kurzfristige Anberaumung der sogenannten Osterruhe) um Verzeihung bat. Für einen Fehler um Verzeihung bitten – oder wie man in der CSU sagt: Sich zum Affen machen.
Und sie hat es sogar richtig gemacht: Sie hat um Verzeihung gebeten und sich nicht etwa nur entschuldigt. Denn eine Entschuldigung ist streng genommen gar nicht möglich, es sei denn wir lassen eine ich-bezogene Selbstjustiz zu, quasi nach dem Motto: Ich vergebe mir alle Sünden (oder erlasse mir alle Straftaten). Nein, sie macht es anders, sie schwingt sich nicht zur Selbstjustiz auf, sie adressiert, sie bittet. Oder wie man bei der CSU sagt: Besser Totschweigen.
Ja, um Verzeihung bitten, das schaffen nicht viele, auch nicht der/die Liebhaber*innen von Tracy Chapman
oder Elton John. Und mal ehrlich – Musikalisch: Zum Glück!
Irgendwie ist es ja trotzdem schade, dass wir wohl niemals eine entsprechende Trauerbalade von Angelas schlechterer Hälfte hören werden, da sie stets rechtzeitig um Verzeihung bitten wird. So ein singender Quantenphysiker, das wär noch mal was gewesen! Joachim Sauer mit: Ein Quantum Trost?
Was bleibt? Angela sammelt Punkte auf menschlicher Seite und das Land summt den Corona-Blues. Und die Erkenntnis: Wenn Angela Merkel uns alle um Verzeihung bitten kann, dann können wir das auch. Um Verzeihung bitten. Und danke sagen. Kein Sorry, not Sorry! Um Verzeihung bitten und danke sagen. Es ist gar nicht so schwierig!
(…)
Das war ein Fehler. Ich möchte dich um Verzeihung bitten!
Danke!
The Rhythm Of My Life
This Is Water
Der Kanal ist voll
Seltsame Dinge ereignen sich in der ägyptischen Wüste, genauer zwischen der ägyptischen Wüste, auf dem Suez-Kanal. Das 400 m lange und 59 m breite Containerschiff Ever Given steckt seit dem 23. März eindrucksvoll schräg eingeparkt im Kanal fest und blockiert die wichtigste Handelsroute der Welt. Die berechtigte Frage, wie man denn bitte ein modernes Containerschiff derart in den Sand setzen kann, ist bisher nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Es gibt aber Indizien dafür, dass es sich um eine absichtliche oder jedenfalls grob fahrlässige Handlung gehandelt hat, denn offensichtlich war die Crew auch schon vorher ziemlich von der Rolle.
Was aussieht wie ein Scherz vom Postillon, ist tatsächlich echt. Die Ever Given war kurz vor der Kollision auf einem Peniskurs unterwegs. Wer auch immer das Schiff durch den Suez-Kanal gelenkt hat, hat sich also offenbar einen recht kostspieligen Scherz erlaubt oder nicht mehr alle Tassen im Schrank gehabt. Und wer so abgedreht ist, der dürfte auch in der Lage sein, das Schiff in der Folge in den Wüstensand zu rammen. Selbst wenn die Reederei davon nichts wissen will, sondern starke Winde für den Vorfall verantwortlich macht.
Diese Aussage aber könnte auch darin begründet liegen, dass im Falle absichtlichen oder grob fahrlässigen Verhaltens der Crew der Ever Given der Reederei wohl gigantische Schadensersatzforderungen drohen würden. Denn nicht nur wird der Handel zwischen Asien und Europa derzeit blockiert und verzögert, sondern es nehmen auch immer mehr Schiffe die Route um das Kap der guten Hoffnung. Ein Umweg von mehreren Tausend Kilometern mit entsprechenden Mehrkosten.
Die Dimension der Unprofessionalität erinnert schon ein wenig an die Costa Concordia, wenn auch glücklicherweise niemand persönlich zu Schaden gekommen ist. Ich bin jedenfalls gespannt, was der Kapitän zu der ganzen Sache zu sagen hat. Und vielleicht wird die Sache dann ja noch verfilmt. Mit Tom Hanks als Captain Penis?
Katergejammer
Alkohol wird nicht nur in der Leber entgiftet – über Zwischenprodukte, die einen schlimmen Kater verursachen. Beteiligt ist zur Überraschung der Forscher auch ganz unmittelbar das Gehirn.
Un hommage au film français
Le film français est le film sensuel, érotique, psychologique, interpersonnel. Pas les quelques comédies idiotes à succès des années 2000, mais Godard et la bizarrerie stylisée, Rohmer et la conversation, ou simplement la nudité de la belle noiseuse ou d’Adèle.
Un film français, c’est souvent comme des vacances, épuisant mais épanouissant, il a cela en commun avec le film italien. On peut s’allonger dans de nombreux films comme celui-ci, comme dans une prairie de fleurs, flanquée de thym, accompagnée de cigales.
Quand j’ai vu un de ces films, je ne peux plus rien consommer d’autre pendant quelques jours. Puis je suis gâté par la beauté.
Corrompu par la beauté.
Das Katapultmagazin hat auf Instagram eine vielbeachtete Grafik geteilt, die eine Übersicht über die Korruptions- und Lobbyismusfälle im Bundestag seit 2019 liefert.
Ergebnis nach Parteien:
- 12x CDU
- 9x CSU
- 1x SPD
- 0x AfD, FDP, Grüne, Linke
Das Erfreuliche zuerst: Die AfD-Abgeordneten sind offenbar sogar für Korruption zu blöd!
Und jetzt das Aber: Das Ergebnis der CSU ist schlicht monströs-desaströs, vor allem wenn man bedenkt, dass die Partei nur 46 Sitze im Bundestag besetzt. 9 aus 46, das macht knapp 0,2, also fast 20%. Fast 20% der CSU-Bundestagsabgeordneten sind also in den letzten 2 Jahren Gegenstand eines Korruptions- oder Lobbyismusverfahrens (ich drücke das hier bewusst unscharf aus) gewesen! Und das sind nur die bekannten Fälle!
Wenn die Unionen nicht so anglizismenfeindlich wären, würde ich denken, dass das C für „corrupt“ steht. Aber na klar, es ist Latein, das passt doch! Klänge ja eigentlich ganz geil, Corrupte Soziale Union & Corrupte Demokratische Union, das atmet den Geist des 19. Jhd. Und diese neudeklarierten Parteien könnten mit ihren Kampagnen in ungeahnte Wahlkampftiefen herabtauchen. Wie wäre es mit:
Zahlen für Sicherheit statt Gewissen als Risiko
oder
Wir raffen das – An uns!
oder vielleicht
Ich hab ’nen schwarzen Koffer in Berlin
Was kommt als nächstes. Lord Voldemerz als Hauptdarsteller in
Black Rock Down Payment
?? Oder gräbt Scheuerandi den Transrapid wieder aus? Als Schnellzug für die Grenzüberwachung? Haben wir das alles falsch verstanden? Hat Angie gesagt:
Ich will Deutschland dienen – und damit meine ich verdienen!
Fragen über Fragen… Und jetzt bitte:
ANTWORTEN!
365 Days Later
Heute ist der 23. März 2022. Es ist ein besonderer Tag. Denn heute wurde die Covid-19-Pandemie von der WHO offiziell für besiegt erklärt. Über 3,4 Millionen Opfer hat sie gefordert und eine kaum gekannte Form der sozialen Isolation heraufbeschworen, die in der Psyche vieler Narben hinterlassen hat. Obendrein hat Covid ein wirtschaftliches Chaos ganz neuen Ranges verursacht; wohlgemerkt ein selbstgewähltes Chaos, gefüttert von einer in der Menschheitsgeschichte einmaligen Anstrengung, Menschenleben zu schützen und diesen Schutz über wirtschaftliche Interessen zu stellen.
Wo Schatten ist, muss Licht sein, ist Licht. In Weltrekordzeit wurden Impfstoffe entwickelt. Und nach einigen Monaten der Impfstarre wurden auch die nötigen Kapazitäten geliefert. Noch viel wichtiger: Der Spotlight der Erkenntnis wurde auf die ganz großen Fragen gerichtet: Was ist es uns wert zu leben? Was ist uns wichtig? Wer sind wir? Was wollen wir hier? Fragen, die angesichts der umfassenden Umwälzungen in der nun postpandemischen Welt in den Vordergrund rücken können – oder aber schnell wieder verschwinden, im Geschacher und Gezeter, um die attraktivsten heruntergefallenen Häppchen.
Wir blicken zurück auf die größte Reframing-Maßnahme der Neuzeit. Die intelligenteste Lebensform, die dieser Planet seit dem Urknall hervorgebracht hat, erkennt, wie zerbrechlich sie ist – quasi vom Aussterben bedroht. Rasend schnell hat uns der Gestus des „Sich-Sicher-Fühlens“ und ein gieriger, angsterfüllter Egoismus an einen Abgrund manövriert, von dem wir nun herunterstarren können, in die Apokalypse. Doch immer noch leben wir in einer „Beste-aller-Welten“. Und am Rand stehen, ist etwas ganz anderes, als herunterzufallen.
An jedem Tag ändern wir die Welt. An jedem Tag ändert uns die Welt. An jedem Tag treffen wir die Entscheidung, in welche Richtung wir gehen. Wer in die richtige Richtung gehen will, wird dies fast immer tun. Und merken, wenn es die falsche war. Nur der Stillstand bleibt dumm, informationslos.
Es ist die Zeit des Aufbruchs, die Zeit der großen Entscheidungen. Ein „Weiter-So“ ist nicht gut genug, denn nur das Beste ist gerade gut genug!
In diesem Sinne: Let’s Rock!
VÖ: 26.03.21
Die Verwandlung
Sinnhafte Lückenfüller
21st Century presents
Good vibes only, clean eating, constant traveller, always looking for the best coffee in town, live every day as if it was your last, my dog is my spirit animal, plant based in Berlin, keep smiling, citizen of the world, bright green soul, open minded, inspiring food, addicted to art, healing guru, love my job, improving every day. Are you keen for life, too?
So oder so ähnlich. Und jedes Jahr mehr davon. Ein Schwall von verschwurbeltem Geschwülst und erschwindeltem Schwanengesang. Mir drängt sich entsprechend folgende Entwicklung unserer westlichen Welt auf:
- Unsere Großeltern haben mit Maschinengewehren geschossen und zerbombte Häuser aufgeräumt.
- Unsere Eltern haben Marx, Foucault und Hegel gelesen oder es behauptet. Gelesen haben sie jedenfalls. Bücher!
- Wir machen Selfies, schauen Fitnessvideos, lachen über Memes und entwerfen Selbstvermarktungspropaganda.
Aber stimmt das?
Viel ist bereits geschrieben worden über das neue Spießertum, über die Doppelbödigkeit elitärer Weltverbesserer, über die Verblödung durch Social Media und den Drang zur Selbstvermarktung. Ich finde, dass das Thema keinen weiteren negativen Beitrag braucht, sondern ein Verständnis, was da passiert, woher die Kommunikation, die Anforderungen und die Wertekataloge des 21. Jahrhunderts kommen.
Meine These: Die neuen Anforderungen und Werte des 21. Jahrhundert sind nichts anderes als Lückenfüller, für das, was abhanden gekommen ist.
- Die Religion ist als sinnstiftendes Element weitgehend verloren. Die kirchliche Idee fällt der Aufklärung und dem Siegeszug der Wissenschaft endgültig zum Opfer, die notwendige religiöse Schizophrenie aus Gottglaube und Einsteinglaube wollen immer weniger Menschen leisten.
- Die Familienstrukturen sind ausgefranst oder auf opportune Austauschgesellschaften reduziert. Eine harte Verantwortung zwischen den „Generationen“ besteht nur noch selten.
- Gesellschaftliche Zwänge, die für lange Zeit etwa Paarbeziehungen „auf bis das der Tod euch scheidet“ verlangt haben, existieren kaum noch.
- Die Arbeitswelt flexibilisiert sich. Feste Berufsgattungen lösen sich immer mehr auf und die Grenzen der Arbeit verschwimmen. Der technische Fortschritt übernimmt fortlaufend neue Tätigkeitssektoren und schafft andere.
Damit ist nun fast alles verhandelbar, vieles ungefähr, weniges klar. Und es ist nachvollziehbar, dass dabei große Lücken in den Köpfen entstehen. Lücken, in die die Player und Phänomene der Neuzeit hineinstoßen.
- Das Internet täuscht uns unbegrenzte Möglichkeiten vor und lässt uns in Informationen ertrinken.
- Social-Media macht uns zu unseren eigenen Produktmanagern und das Sich-Vergleichen zum Businessmodel.
- Die Werbewirtschaft beschießt uns mit neuer und ungeahnt präziser Verlangensmunition.
Diese Phänome wirken als Trigger und erschaffen einen Glauben, eine Ideologie, die wiederum das Verhalten der Menschen massiv beeinflusst. Daraus erschaffen wir dann im schlechtesten Fall ein Klima hysterischer Perfektionswut, die Verseltsamung des Tiefsinns, eine Verkürzung von Wahrheiten und noch viel mehr bescheiden Sinnvolles.
Was aber beim Blick durch die Dystopiebrille leicht übersehen werden kann:
Die Werte hinter den modernen Ideologien sind oftmals überzeugend. Es besteht ein Wunschbild einer gewaltfreien Welt. Einer Welt des Austauschs und der Fröhlichkeit mit einem Fokus auf kultureller Durchlässigkeit. Und es dient den Menschen, wie so oft bei Ideologien, als Coping-Strategie für das, was allen ultimativ droht: der Tod. Das ist ein hochanzuerkennender Grund für einen Glauben. Selbst wenn es nur der Glaube an Kaffee mit Herz im Schaum ist.
Zudem zeigt ein Vergleich mit den alten Playern und Phänomenen, dass wir uns nicht zum Schlechten entwickeln. Während die Kirche in ihrer Geschichte Millionen Menschen getötet hat, werden Yoga-Spiritualisten derartiges kaum auf die Rolle bekommen. Lose Familienstrukturen sind offen für alles und damit eben auch für die Entwicklung echter Fürsorge, ein Kümmern als Selbstzweck. Dies ist gegenüber dem noch im 20. Jahrhundert oft vorherrschenden Zwanghaftigkeits- und Unterdrückungsdogma ein massiver Fortschritt. Und auch das moderne Zusammenleben und -arbeiten bietet Chancen. Zwar ist das committen sowohl in der Liebe als auch in der Arbeit in der Krise. Ich halte das aber auch nur für ein Zwischenergebnis auf dem Weg zu einer neuen Form der Kooperation mit spannenden Möglichkeiten.
Vorsicht ist aber trotzdem geboten. Denn vieles von dem, was uns so täglich um die Ohren gehauen wird, ist ein astreines Produkt der Marktwirtschaft und durchtränkt von der Soma des Konsumreizes. Wenn ich mir im Kopf einen Filter dagegen antrainiere, quasi einen Ad-Blocker, dann kann ich mit der schönen, neuen Welt sicher ganz glücklich werden.

