Endlich Alfonso Cuaróns Roma gesehen und muss sagen, selten so schöne Filmphotographie gesehen. Da hat Netflix mal sein Geld hübsch investiert.
Kategorie: donnerstag: celluloid
Instylegram
Instagram ist vollgeladen mit Schrott. Agreed. Aber hier finden sich auch großartige Fotografien und Fotografen. Eine kleine Liste 10 cooler Accounts:
Un hommage au film français
Le film français est le film sensuel, érotique, psychologique, interpersonnel. Pas les quelques comédies idiotes à succès des années 2000, mais Godard et la bizarrerie stylisée, Rohmer et la conversation, ou simplement la nudité de la belle noiseuse ou d’Adèle.
Un film français, c’est souvent comme des vacances, épuisant mais épanouissant, il a cela en commun avec le film italien. On peut s’allonger dans de nombreux films comme celui-ci, comme dans une prairie de fleurs, flanquée de thym, accompagnée de cigales.
Quand j’ai vu un de ces films, je ne peux plus rien consommer d’autre pendant quelques jours. Puis je suis gâté par la beauté.
Corrompu par la beauté.
Jetzt hat es die längste Zeit gedauert, sagt der deutsche Kinobetreiber und bestellt schon mal neues Öl für die Popcornmaschine – das alte ist in der langen Zwangspause ranzig geworden. Und der netflixgeplagte Medienkonsument denkt sich nach einem Jahr Wohnzimmer: „Ein großer Teil der Magie des Kinos ist wirklich seine Darbietung, die riesige Leinwand, der Sound, die dicken Teppiche, der quietschende Klappsessel und sogar das Geraschel von vorne rechts fehlt mir.“
Da kann auch ein schönes Heimkino nicht gegen anstinken. Also Vorfreudeprogramm rein und Action:
Im Kinokompendium kann der geneigte Filmfan schon mal sein favorisiertes Lichtspielhaus herausnerden, Critic liefert die passende Filmkritik, die regelmäßig klingt als hätte jemand eine filmwissenschaftliche Masterarbeit auf 300 Wörter eingedampft und dann noch das Yorck-Kinoabo bestellt, denn es bietet zu einem Preis, der kaum über dem Netflix-Premium-Paket liegt, Gelegenheit, die verpassten Filmerlebnisse in geballter Form nachzuholen.
Genug Anlass zur Vorfreude also. Aber was ist das, diese Vorfreude? Etwas anderes als Freude?
„Vorfreude ist die schönste Freude“, sagt ein Sprichwort, das die deutsche Seele ach so treffend widerspiegelt. Die Vorfreude ist also auch eine Freude, die Freude in Erwartung der Freude. Warum ist diese dann besser? Weil sie im Gegensatz zur Freude an der Freude nicht alsbald vorüber ist? Weil die Freude, sobald ihr Ende naht, schon überschattet wird? „It’s Friday, I’m in love, Saturday, wait, and Sunday always comes too late.“
Wäre dann nicht die größte Freude eine Freude auf eine Freude, die nie kommt, ich das aber nicht weiß? Das brauche ich hier glücklicherweise nicht zu beantworten. Lieber warte ich auf die wahre Liebe oder den Weltfrieden. Oder einfach nur auf das erste postpandemische Popcorn.
Süß, bitte.
Wie soll man beschreiben, was Adam Curtis, britischer Dokumentarfilmer, da in minutiöser Kleinarbeit für die BBC zusammengeschnitten hat? Am besten so wie er selbst:
We are living through strange days. Across Britain, Europe and America societies have become split and polarised. There is anger at the inequality and the ever growing corruption – and a widespread distrust of the elites. Into this has come the pandemic that has brutally dramatised those divisions. But despite the chaos, there is a paralysis – a sense that no one knows how to escape from this.
Can’t Get You Out of My Head tells how we got to this place. And why both those in power – and we – find it so difficult to move on. At its heart is the strange story of what happened when people’s inner feelings got mixed up with power in the age of individualism. How the hopes and dreams and uncertainties inside people’s minds met the decaying forces of old power in Britain, America, Russia and China. What resulted was a block not just in the society – but also inside our own heads – that stops us imagining anything else than this.
Ein wilder Ritt durch die letzten 70+ Jahre. Verwirrend, provokant, unterhaltsam. Sehr empfehlenswert!
Es ist tatsächlich gerade Berlinale. Ohne Stars und Zuschauer. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn während derzeit nur eine digitale Berlinale für die Filmindustrie stattfindet, soll im Juni dann eine hoffentlich ziemlich reguläre Berlinale (Wikipedia) stattfinden. Eine Übersicht über die Festivalfilme findet ihr hier (critic).
Wem das zu lange dauert, der kann natürlich auch bei mir im Heimkino vorbeischauen. Aber bitte nicht alle auf einmal, sonst setzt sich – angesichts dieser C19-Sprengkraft – wohlmöglich noch unser Spahnferkelchen dazu und probt die „Nationale Teststrategie (FAZ)„.
Feel Good
Erwachsene Kinderkunst
Helena Zengel hat mit 12 Jahren ihre erste Golden Globe Nominierung erhalten. Gut möglich also, dass wir bald wieder einen internationalen Filmstar aus Berlin haben. Zeit wird’s denn Marlene Dietrich ist ja nun auch schon eine Weile her..
Zengel schaffte ihren Durchbruch mit dem Film Systemsprenger (fantastisch und verfügbar bei Netflix) und war darin so gut, dass Hollywood gleich zugegriffen hat. Der von Paul Greengrass gedrehte und mit Tom Hanks als Hauptdarsteller besetzte als Westernroadmovie konzipierte News Of The World ist nun vor einigen Tagen erschienen (Netflix). Und auch hier beweist Zengel ihr Talent, wirkt fast noch unterfordert vom etwas gemächlichen Wild-West-Plot und ihrer wenig physischen Rolle. Da geht noch viel, viel mehr…
Ich habe mich auch angesichts eines aktuellen Podcasts mit Jodie Foster gefragt, ob Zengel den Sprung vom Kinderstar zum Erwachsenenstar schaffen wird. Ich glaube aber, dass sich die Frage schon gar nicht stellt, weil dieses Kind gar kein Kinderstar ist. Sie ist eine junge Filmstarin, die gar nicht spielt wie ein Kind.
Sie ist kein süßer Kevin, Home Alone und eingeschneit wie ein Bewohner Berlins mit Lock-Down-Syndrom, der sich mit dem Bügeleisen gegen Einbrecher verteidigt. Nein, eher wie Frau Foster in Taxi Driver. Und die ist immer noch gut dabei.
We will cheer for you, Helena!
Die nackte Wahrheit
Larry Flint ist gestorben. Während Hugh Heffner der Eros des Establishments war, war Flint der Mann für’s Grobe. Zahlreiche Skandale, Prozesse und Schicksalsschläge, ein Attentat und natürlich viel Schmuddel. Man kann von diesem Typen halten was man möchte, aber er war meinungsstark, streitbar und bietet erhebliches Unterhaltungspotential, weshalb Miloš Forman bereits 1996 einen Film über ihn gedreht hat, der u.a. mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.
Woody Harrelson und Courtney Love, dazu ein sehr junger Edward Norton – Zeit den VHS-Rekorder aus dem Keller zu holen und ab in die Videothek! Oder notfalls im Stream.
Dokumentarisches
How to with John Wilson: Brilliante Doku über den Alltag in New York City. Wilson fängt mit einem selbstgewählten Thema an, beschreibt dazu seine Erfahrungen und Ansichten und bebildert das ganze mit treffenden und skurrilen Videoaufnahmen. Auf seinen Ausflügen durch die Stadt trifft Wilson dann auf zahlreiche schräge Charaktere, die die Handlung beeinflussen und ihn in absurde Situationen bringen. Das Problem der Serie ist das Problem jedes überragenden Produkts: Es ist schwer sich danach wieder mit Hausmannskost abzufinden, ich nenne es das Shebakatzenproblem. Maybe just don’t, stay exclusive.
Derzeit nur bei HBO (Max)
Vietnam: In der Arte Mediathek findet sich derzeit die hochgelobte Vietnam Doku von Ken Burns. Auch was für Shebakatzen.
Kaurismäki bei Arte
Arte hat, wie mir mein Vater berichtet hat, derzeit fünf Filme des finnischen Regisseuer Aki Kaurismäki im Angebot. Kaurismäki entführt uns in die Welt der „einfachen Leute“, der „Sonderlinge“, der „Versager“, nur dass sie bei ihm weder einfache Leute, noch Sonderlinge, noch Versager sind, sondern schlicht Menschen. Menschen die ein Problem haben, die einsam sind, die sich nicht anpassen wollen, die aber nicht aufgeben.
Kaurismäki schafft das, was jeder Regisseur erreichen will, er steht für ein bestimmtes Gefühl, das Kaurismäki-Gefühl. Viel Spaß beim Herausschälen!
https://www.arte.tv/de/videos/RC-019963/filme-von-aki-kaurismaeki/
„Ariel“, „Der Mann ohne Vergangenheit“, „Wolken ziehen vorüber“, „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ und „Das Leben der Bohème“, verfügbar bis Ende April
All The President’s Men
Aus aktuellem Anlass und zur Feier der Wiederentdeckung des Konzepts ‚Leader of the free world‘ mal wieder ein Film aus der Mottenkiste. Die beiden Hollywoodgrößen Robert Redford und Dustin Hoffman spielen die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein. Und irgendetwas kommt den beiden komisch vor am Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate Apartment Komplex…
Persönliche Bilderschau 2020










© myself, auch unter: @21instagrams
The Death Of Mr. Lazarescu
Preisgekröntes Kino aus Rumänien. Kostenlos auf YouTube. Viel Vergnügen!
Uncut Gems
Auf Netflix schlummert dieser Film schon seit Anfang letzten Jahres herum und trotzdem ist er mir erst vor einigen Tagen vor die Linse getreten. Was für ein Parforceritt! Ritalin in cineastischer Form! Sandler rast durch den Film, irre. Und die Filmhandlung arbeitet mit der Umgebung, wie ich das selten gesehen habe.
Für mich völlig klar: In absehbarer Zeit werden die Regisseure, die Brüder Safdie, mit dem Hollywoodmainstream den Boden aufwischen. Das ist eine Geradlinigkeit, die sich mit dem aktuellen Genole diametral entgegenstellt. Mehr von auf die Fresse, bitte!
Meine Lieblingsserien 2020
Nachdem letzte Woche die Filme dran waren, jetzt die Serien:
Unorthodox: Über meine junge Frau, die in einer ultraorthodoxen jüdischen Familie in Williamsburg aufwächst, heiratet und eines Tages nach Berlin flieht.
Braunschlag: Braunschlag, ein Ort wo noch Wunder geschehen – oder aber auch nicht. Brillante österreichische Provinzsatire.
Unbelievable: Hartes Thema, realer Hintergrund. Eine junge Frau wird vergewaltigt und keiner glaubt ihr, nein, sie wird sogar selbst als Täterin angeklagt. Der wahre Täter geht weiter seinen Neigungen nach, bis …
Einige Lieblingsfilme 2020
Ich habe das Jahr des sozialen schwarzen Lochs ua dafür genutzt mein Filmwissen zu erweitern. Ich stelle euch drei Filme vor, die mir besonders positiv in Erinnerung geblieben sind:
8 1/2 von Federico Fellini
Fantastico, ästhetischster Film ever? Vorher nie gesehen. Es geht um einen Regisseur in der Schaffenskrise (beliebtes Thema, zuletzt bei Almodovar umgesetzt). Ein Rausch in schwarz-weiß, OK, ich war auch high.
Spoorloos von George Sluizer
Unkonventionell und echt erzählter Crime-Thriller. Ein Paar fährt in den Urlaub und sie verschwindet an einer Tankstelle. Das Ende ist brilliant und …
Videodrome von David Cronenberg
Wunderbarer 80er Trashklassiker. Zentrales Thema: Ein verbotenes Video. Für alle die Videotheken vermissen. Nicht wegen der Filme, sondern wegen der nerdy-creepy atmosphere.
