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dienstag: die öffentliche meinung

Uiguren, Rohingya, Ahmadis, Roma, Adivasi, Twa (…)

Wir krächzen und ächzen uns durch unsere selbstverschuldete Unmündigkeit, ärgern uns völlig zu Recht über unsere Minister*Innen und warten, dass der Frühling wieder zurückkehrt. Und anderswo?

In China fallen keine Reissäcke um, sondern uigurische Menschen(rechte). In Myanmar tobt (so etwas wie) Bürgerkrieg. Indien und Pakistan üben sich in Alltagsdiskriminierung der härteren Sorte. Die Roma finden weiterhin kein zu Hause. Und was geht eigentlich so in Afrika? Schreibt ja fast keiner drüber…

Zeit also, etwas gegen diesen Sauhaufen zu tun, der weiterhin weite Teile unserer Welt unterjocht! Get up, stand up!

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Die Kunst des um Verzeihung Bittens

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Angela And The Easter bunnies – I’m begging for forgiveness

Ein denkwürdiger Moment war das, als unsere hauptberufliche Kanzlerin und Teilzeitmutter/-bewährungshelferin vor die Mikrofone trat und für einen Fehler (die kurzfristige Anberaumung der sogenannten Osterruhe) um Verzeihung bat. Für einen Fehler um Verzeihung bitten – oder wie man in der CSU sagt: Sich zum Affen machen.

Und sie hat es sogar richtig gemacht: Sie hat um Verzeihung gebeten und sich nicht etwa nur entschuldigt. Denn eine Entschuldigung ist streng genommen gar nicht möglich, es sei denn wir lassen eine ich-bezogene Selbstjustiz zu, quasi nach dem Motto: Ich vergebe mir alle Sünden (oder erlasse mir alle Straftaten). Nein, sie macht es anders, sie schwingt sich nicht zur Selbstjustiz auf, sie adressiert, sie bittet. Oder wie man bei der CSU sagt: Besser Totschweigen.

Ja, um Verzeihung bitten, das schaffen nicht viele, auch nicht der/die Liebhaber*innen von Tracy Chapman

oder Elton John. Und mal ehrlich – Musikalisch: Zum Glück!

Irgendwie ist es ja trotzdem schade, dass wir wohl niemals eine entsprechende Trauerbalade von Angelas schlechterer Hälfte hören werden, da sie stets rechtzeitig um Verzeihung bitten wird. So ein singender Quantenphysiker, das wär noch mal was gewesen! Joachim Sauer mit: Ein Quantum Trost?

Was bleibt? Angela sammelt Punkte auf menschlicher Seite und das Land summt den Corona-Blues. Und die Erkenntnis: Wenn Angela Merkel uns alle um Verzeihung bitten kann, dann können wir das auch. Um Verzeihung bitten. Und danke sagen. Kein Sorry, not Sorry! Um Verzeihung bitten und danke sagen. Es ist gar nicht so schwierig!

(…)

Das war ein Fehler. Ich möchte dich um Verzeihung bitten!

Danke!

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365 Days Later

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Heute ist der 23. März 2022. Es ist ein besonderer Tag. Denn heute wurde die Covid-19-Pandemie von der WHO offiziell für besiegt erklärt. Über 3,4 Millionen Opfer hat sie gefordert und eine kaum gekannte Form der sozialen Isolation heraufbeschworen, die in der Psyche vieler Narben hinterlassen hat. Obendrein hat Covid ein wirtschaftliches Chaos ganz neuen Ranges verursacht; wohlgemerkt ein selbstgewähltes Chaos, gefüttert von einer in der Menschheitsgeschichte einmaligen Anstrengung, Menschenleben zu schützen und diesen Schutz über wirtschaftliche Interessen zu stellen.

Wo Schatten ist, muss Licht sein, ist Licht. In Weltrekordzeit wurden Impfstoffe entwickelt. Und nach einigen Monaten der Impfstarre wurden auch die nötigen Kapazitäten geliefert. Noch viel wichtiger: Der Spotlight der Erkenntnis wurde auf die ganz großen Fragen gerichtet: Was ist es uns wert zu leben? Was ist uns wichtig? Wer sind wir? Was wollen wir hier? Fragen, die angesichts der umfassenden Umwälzungen in der nun postpandemischen Welt in den Vordergrund rücken können – oder aber schnell wieder verschwinden, im Geschacher und Gezeter, um die attraktivsten heruntergefallenen Häppchen.

Wir blicken zurück auf die größte Reframing-Maßnahme der Neuzeit. Die intelligenteste Lebensform, die dieser Planet seit dem Urknall hervorgebracht hat, erkennt, wie zerbrechlich sie ist – quasi vom Aussterben bedroht. Rasend schnell hat uns der Gestus des „Sich-Sicher-Fühlens“ und ein gieriger, angsterfüllter Egoismus an einen Abgrund manövriert, von dem wir nun herunterstarren können, in die Apokalypse. Doch immer noch leben wir in einer „Beste-aller-Welten“. Und am Rand stehen, ist etwas ganz anderes, als herunterzufallen.

An jedem Tag ändern wir die Welt. An jedem Tag ändert uns die Welt. An jedem Tag treffen wir die Entscheidung, in welche Richtung wir gehen. Wer in die richtige Richtung gehen will, wird dies fast immer tun. Und merken, wenn es die falsche war. Nur der Stillstand bleibt dumm, informationslos.

Es ist die Zeit des Aufbruchs, die Zeit der großen Entscheidungen. Ein „Weiter-So“ ist nicht gut genug, denn nur das Beste ist gerade gut genug!

In diesem Sinne: Let’s Rock!

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Die Selbstzerstörung* der CDU

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Angela, oh Angela,
Du hast so wunderschönes Haar,
Und einen Mund so sinnlich,
Wie Jens Spahns Aura kindlich. 

Wird dein Verkehrsminister frech,
Dann scheuerst du ihm eine,
Erhebt ein Schulz die Stimme,
Dann steht er bald alleine.

Der deutschen Seel' am Busen hast genährt,
Uns täglich sanft ins Kindbett abgelegt,
Dein Benz war unser liebstes Traumgefährt,
Kein Misstrauen hätten wir jemals gehegt.

Doch was ist nun beim großen C,
Die Wahlen enden wie bei Moby Dick,
Das C taucht tief und es tut weh,
Mein blaues Haar denkt: das ist sick!

Die Grünen scharren schon mit den Sandalen,
Die Irren gröhlen froh bei Quergedenk,
Am Horizont, da drohen bald die nächsten Wahlen,
Sie sind beileibe nicht das angedacht' Geschenk.

Dieses Laschet das ist viel zu eng,
Keucht Angela und Markus bellt ihr bei,
Der Multikulti-Pöbel kommt und sein Gemeng,
Die Grüne Armee Fraktion dreht frei.

Willst du mir einen Baerbock aufbinden,
Oder den Habeck zum Gärtner machen,
Wie sollen wir denn einen Kanzler finden,
Ich finde das wirklich nicht zum lachen.

Fasst sie endlich, sperrt Sie ein,
Zetert Lord Voldemerz aus dem Verließ,
Wir können nicht, wir sind zu klein,
Kein Impftermin und uns geht's mies.

Am Ende bleibt da nur der Adenauerfimmel,
Denn sicher ist, wir leben alle unter dem gleichen Himmel,
Aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont,
Und es vielleicht von Anfang an schon nicht gekonnt.

* Danke an Christoph K. und Rezo für die Inspiration bei der Titelgebung.

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All-time Löw

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Jetzt ist es endlich amtlich! Die Doppelspitze von Angela Merkel und Joachim Löw, beide auch bekannt unter ihren Kampfnamen Angie und Jogi, die Deutschland über 1,5 Dekaden regiert haben, verabschieden sich 2021 in den Ruhestand. Es sind zwei sehr spezielle Naturen, die wohl in keinem anderen Land der Welt eine Chance gehabt hätten. Aber Deutschland ist eben auch Deutschland.

Was verbindet die beiden also? Und wie konnten beide so lange ihre Macht konservieren?

Beide sind quasi unverwundbar. Sowohl Merkel als auch Löw sind mit einer Spezialbeschichtung versehen, die Kritik abperlen lässt. Aber während Kritik an Löw in der Folge schlicht im Schwarzwald versickert, hat Merkels Legierung noch zusätzlich die Eigenschaft, am politischen Gegner kleben zu bleiben. Während ich mich beim netten Herrn Löw demnach noch genau erinnern kann, wie er seine Finger in so ziemlich jede Körperöffnung steckte, um dann genüsslich am entstandenen Œuvre zu riechen, weiß ich bei Merkel gar nicht mehr so genau, was sie eigentlich im Laufe der Jahre verwurstet hat. Faszinierend!

Beide werden als erfolgreich wahrgenommen. Merkel hat Deutschland aus einer Wirtschaftskrise und durch eine Wirtschaftskrise geführt, um es dann – unverschuldet – in eine Wirtschaftskrise zu führen. Sie hat es geschafft, dass wir es schaffen. Sie war die pragmatischste Kanzlerin aller Zeiten und die erste. Löw ist Weltmeister geworden, zusammen mit Erik Durm, Kevin Großkreutz und dem langjährigen wahren Trainer der Nationalmannschaft, Hans-Dieter Flick, Kampfname Hansi, seit dessen Abschied es seltsamerweise nicht mehr so gut läuft. Aber: Wir waren Weltmeister! Im Export und Fußball!

Beide sind rhetorisch, in Anbetracht ihrer öffentlichen Position, unterirdisch schlecht. Merkel hat daraus die Fähigkeit entwickelt, Freund und Feind einzuschläfern und sie folgend im Bett an eine andere Position zu verschleppen, von wo dann weiter diskutiert wird. Sie nennt das Regieren und es hat oft super geklappt. Löw klingt in Interviews regelmäßig so, als hätte er eine Kiste Wein gefrühstückt. Das stimmt nicht, denn Löw frühstückt maximal ein bis zwei Flaschen Spätlese. Und dass er immer das gleiche sagt, ist im Sport auch egal, denn Fußball ist ja auch fast immer gleich.

Beide haben einen etwas altmodischen Stil in Person to Person Situationen. Merkel ist gefürchtet für ihre Fähigkeit politische Gegner auszuboten. Nach dem Motto: „Macbeth im Atomkraftwerk“. Damit ist sie schon einige schwarze Nullen losgeworden und wir sind wirklich dankbar dafür. Auch Löws Personalentscheidungen in der Nationalmannschaft sind in ihrer Dynamik an eine Paarbeziehung alter Schule angelehnt. So lange treu bleiben und nicht über Probleme reden, bis es nicht mehr anders geht. Dann Hals über Kopf Schluss machen und auch nicht mehr darüber reden. So soll das sein! Nicht wahr, Herr Müller?

Beide wurden nie wirklich von einem Herausforderer bedroht. Weil es keinen gab oder der sich selbst ins Aus geschossen hat. Wenn ein Schulz oder ein Lord Voldemerz zu hoch hinauswollten, endeten sie wie Ikarus. Und egal wieviele Weltklassespieler Deutschland zeitweise hatte, jedes vercoachte Halbfinalspiel konnte im Schwarzwald ausgesessen werden, ohne dass einer der Topleute des Trainerwunderlandes Deutschland sich berufen gefühlt hätte oder von der im schwarzen Turm gastierenden DFB-Spitze berufen worden wäre.

Beide haben zudem einen äußerlichen Wandel hinter sich, allerdings gegenläufig. Merkel von der Betreuerin im Jugendzentrum Greifswald-Nord zur Grand Dame der Weltpolitik. Löw vom dynamischen Merinowollkragenmodel zum faltigen Wuschelweirdo.

Beide haben ein Herz für Minderleister. Jens Spahn und Lukas Podolski außer Form? Das wird schon wieder werden. Nur der Neuerfinder der Autobahnen Scheuer, der scheint mir eher auf dem Max-Kruse-Weg zu sein und das im Gegensatz zu Max Kruse völlig zu Recht.

Und schlussendlich: Wir haben beide irgendwie in unsere Herzen geschlossen. Wir teilen einfach einfach zu viel Schönes miteinander! Und was bedeutet schon wahre Kompetenz im Vergleich zu schönen Erinnerungen!?

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Quelqu’un m’a dit (qu’ils l’avaient enfermé)

Nicolas Sarkozy wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, zwei Jahre wurden zur Bewährung ausgesetzt, eins kann in Hausarrest abgeleistet werden. Sarkozy wird zur Last gelegt, dass er einen Richter bestochen habe. Sarkozy ist also nach Beurteilung der französischen Strafjustiz korrupt und nunmehr (vorbehaltlich einer gegenläufigen Berufungsentscheidung) ein verurteilter Straftäter.

Warum kommt mir das bloß so komisch vor? Vermutlich deshalb, weil es schlicht ungewöhnlich ist, dass ein europäischer Top-Politiker, insbesondere ein ehemaliger Staatspräsident, wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt wird.

Angesichts des Wahnsinns, der vier Jahre das weiße Haus befallen hatte und zahlreicher anderer Regierungschefs, denen nicht gerade ein clean slate attestiert werden kann – ich denke da an Menschen wie Viktor Orbán, Kim Jong-Un oder Nicolás Maduro (u.v.a.) – hat sich zudem der Eindruck verfestigt, Spitzenpolitiker könnten machen was sie wollen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Dass das ein fatales Signal an die jeweiligen Bewohner der Länder ist, ist kaum zu bestreiten. Weniges wirkt so zersetzend auf eine Gesellschaft, wie die Duldung von Straftaten der herrschenden Klasse. Umso wichtiger ist es, dass Vergehen in Ländern, in denen das Rechtssystem einigermaßen funktioniert, entsprechend geahndet werden. Und dass in Extremfällen internationale Institutionen wie der ICC die nationale Straflosigkeit durchbrechen.

Die Verurteilung Sarkozys ist aber nicht nur ein wichtiger Fingerzeig, betreffend die Wahrnehmung der Unangreifbarkeit von Spitzenpolitikern, sondern auch hinsichtlich der Verfolgung von Korruption. Dass das Thema Korruption in Bezug auf seine Wichtigkeit Weltrang genießen müsste, ist angesichts des weltweiten Ausmaßes und der entstehenden volkswirtschaftlichen Schäden offensichtlich. Diesen Status hat es aber schlicht nicht.

Dass sich daran vielleicht gerade etwas ändern könnte, lässt die alsbald geplante Einführung des Lobbyregisters aber auch die Ermittlungen gegen den Bundestagsabgeordneten Nüßlein erhoffen. Wir brauchen hier schlicht mehr Transparenz: Für die Stärkung des Vertrauens der Bürger in ihre Regierenden, aber auch für die Absicherung unabhängiger Entscheidungsprozesse.

Die Verurteilung von Sarkozy darf dafür gern mahnendes Beispiel sein.

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In or Out?

#Actout (SZ). Unter diesem Slogan haben sich Anfang Februar 185 Schauspieler*Innen als homosexuell geoutet (ZEIT). Eine mutige, wichtige und bewundernswerte Aktion, sowohl für die Beteiligten, als auch für alle anderen Menschen, insbesondere solche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung selbst mit Vorurteilen konfrontiert werden.

Und dann kam Philip Lahm, wieselflinker Ex-Profifußballer und Geschäftsmann, und empfahl (als Teil seines neuen Buchs) den Mitgliedern „seiner“ Branche, den Fußballern, sich doch lieber nicht zu outen (SZ). Lahm weist dabei auf die „Gefahren“ des Outings hin, die jedem bewusst sein dürften, der die Fußballwelt und ihr Verhältnis zur übrigen Gesellschaft verfolgt. Der erste Profifußballer, der sich jemals geoutet hat, hieß Justin Fashanu und beging einige Jahre später Suizid (Wikipedia).

Was Lahm meint, ist nachvollziehbar. Es ist der einfachere (nicht einfache!) Weg mit der eigenen Homosexualität im Profisport, speziell im Fußball (SPIEGEL), umzugehen. Es ist aber, wie ich finde, der falsche.

Die Welt des Fußballs ist Zerrbild unserer Gesellschaft. Sie ist männlicher, weißer, konservativer, machistischer und eben auch homophober als andere Bereiche. Und es ist höchste Zeit daran etwas zu ändern.

Ich bin der Überzeugung, dass der beste Weg dafür ist, dass #Actout auf den Profifußball übertragen wird. Dass sich homosexuelle Profifußballer zusammenschließen und eine sexuelle Revolution ausrufen, um damit den Fußball in die gesellschaftliche Jetzt-Zeit zu überführen. Vielleicht gerade in CoVid-Zeiten, solange keine Zuschauer im Stadion sind, die ihre Dümmlichkeit beweisen wollen.

Es ist Zeit, dass der Zwang, die eigene Lebensweise zu verheimlichen oder sogar zu unterdrücken, auch im Fußball aufhört. Es ist an der Zeit, dass Homosexuelle auch im Fußball sichtbar und alltäglich werden. Es ist an der Zeit sich von einer Fankultur abzugrenzen, die auch weiterhin Ressentiments lebt und verbreitet. Die echten Fans werden dabei bleiben, denn einem echten Fan ist Fußball wichtig, nicht der/die Sexualpartner*In der Spieler*Innen.

Dieser Meinung ist auch das Fußballmagazin 11 Freunde und hat in seiner gedruckten Ausgabe mit der Initiative „Wir sind auf eurer Seite“ (Kicker) die Unterstützung homosexueller Fußballer*Innen klar gemacht. Max Kruse, Headliner der Kampagne, war schon immer einer meiner Lieblinge, nicht nur weil er jede Menge Zeug angestellt hat und super-kreativ spielt, sondern weil er auch sagt was er wirklich denkt, etwas was Herrn Müller ja immer unterstellt wird.

Jetzt bleibt noch die Frage, wie die Initiative getauft werden soll. Ich würde es spontan #Ballsout nennen, aber ich bin ein Schelm und wir finden sicher noch einen besseren Begriff. Auch glaube ich fast, dass die Frauen hier den ersten großen Schritt machen werden, denn die haben häufig mehr Eier (YouTube) in der Hose.

Ich finde, dass Herr Lahm an dieser Stelle ansetzen und einschwenken sollte auf eine Linie, die auf Überzeugung und Veränderung setzt, statt auf Verschwiegenheit. Und ich wünsche mir ganz konkret, dass Herr Lahm seine Empfehlung in der zweiten Auflage seines Buchs (so sie denn erscheint), abändert in:

Geht’s raus, spielt’s Fußball und seid wer ihr sein wollt!

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Die Liebe in den Zeiten der Corona

§ 2 Kontaktbeschränkung, Aufenthalt im öffentlichen Raum*

(1) Jede Person ist angehalten, die physisch sozialen Kontakte zu anderen Menschen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören, auf das absolut nötige Minimum zu reduzieren und auf Reisen zu verzichten sowie die eigene Wohnung oder gewöhnliche Unterkunft nur aus triftigen Gründen zu verlassen. (…)

*SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

Nichts ist schöner, als die Sprache des Gesetzgebers. Außer allem anderen. Und nichts ist klarer…

Das „absolut nötige Minimum“ an sozialen Kontakten also. Bis vor 11 Monaten hätte ich eine solche Formulierung für eine dystopische Sci-Fi-Fantasie gehalten. Und mittlerweile ist es daily business…

Aber was ist mit der Liebe in den Zeiten der Corona? Ist Liebe außerhalb des eigenen Haushalts erlaubt? Geistige Liebe ist natürlich erlaubt, die funktioniert ja auch remote. Aber was ist mit der körperlichen Liebe (die ich jetzt einfach mal so nenne, weil das netter klingt)? Ist körperliche Liebe vom „absolut nötigen Minimum“ erfasst?

Nun, die Frage ist erstmal relativ einfach zu beantworten. Der Gesetzgeber stellt mit „absolut nötiges Minimum“ auf den individuellen Bedarf des Einzelnen ab. Wenn es für das Individuum nicht mehr anders „geht“, dann ist die körperliche Liebe also zulässig. Ich nenne das einfach mal „individuell ausreichendes Verlangen“.

Was aber, wenn ich auf dem Weg zu einem Stelldichein in eine Polizeikontrolle gerate? Für die Rechtfertigung meines Verhaltens wäre ein „individuell ausreichendes Verlangen“ nachzuweisen und hier wird es wieder schwierig. Bei Männern kann ich mir das ja noch vorstellen, da reicht u.U. schon ein einfaches Abtasten des Schritts und das können Polizeibeamte ja relativ gut. Aber wie geht das bei Frauen und Sonstigen*?

Bei Frauen wäre die Kontrolle wohl schon deutlich komplizierter und auch invasiver. Zudem müssten aus nachvollziehbaren Gründen Polizeibeamtinnen die Prüfung vornehmen, die aber immer noch deutlich unterrepräsentiert sind, vor allem bei Streifengängen.

Bei Sonstigen wird es dann richtig abgefahren. So bunt wie unsere Welt mittlerweile ist, müssten unsere uniformierten Musterknäbinnen und -knaben einen ganzen Katalog an Erregungszeichen deuten können. Und das so zuverlässig und genau, dass ein „individuell ausreichendes Verlangen“ auch tatsächlich nachgewiesen ist.

Als überzeugter Besucher des Motzstraßenfests und des CSD sowie anderer genderscheißegaler Veranstaltungen weiß ich, dass selbst mir, geborener Schöneberger, der die queere Kultur quasi mit der Muttermilch ins Maul gespritzt bekommen hat, eine genaue Einordnung oft schwer fällt.

Wie soll das also – bei allem Respekt – Ronny aus Bukow schaffen?

Das ist ein unlösbares Dilemma, denn letztlich kann unser Freund und Helfer diese notwendigen Prüfungen nicht stemmen. Damit aber kann jeder noch so halb motivierte Schlafsack ungestraft seine Fünf-Minuten-Terrine schlürfen und jede gestresste Businessfrau noch faul die Weißweinschorle ausklingen lassen. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers!

Halt! Einen Ausweg gibt es vielleicht. Die gute alte Strafanzeige! Wenn das Date nicht richtig performt, sondern nur gelangweilt herumliegt oder herumliegen lässt, dann ist ja wohl das fehlende „individuell ausreichende Verlangen“ nachgewiesen. Folglich handelt es sich um einen nicht absolut notwendigen Kontakt! Und der ist illegal!

Also, ihr Unbefriedigten da draußen. Statt nach dem Äktchen frustriert zur E-Zigarette zu greifen, ruft einfach 110 an, damit diesem Gebaren Einhalt geboten wird und diesen Lüstloslingen die Handschellen angelegt werden können. Vielleicht regt sich dann ja noch was!

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Vorbildrolle

Es kann kein größeres Vorbild geben als Tom Brady: Er zeigt, dass einem die Natur nicht unfassbare Athletik oder grandioses Talent schenken muss, um der Beste zu sein in dem, was man im Leben tut.

Das schreibt Jürgen Schmieder in der Süddeutschen und ich reibe mir verwundert die Augen. Brady, der Golfbuddy von Donald Trump ein größtmögliches Vorbild? Weil er hart an sich arbeitet und diszipliniert isst/ist? Der „Beste zu sein“, als sinnstiftendes Element und Ideal?

Was Brady kann: Er kann brilliant einen Football werfen. Und er sieht aus wie Barbies Ken. Und er verkauft Sportnahrung. Macht ihn das zum größtmöglichen Vorbild? Was macht ein Vorbild aus?

Wenn ich hoch ins Regal meiner Vorbilder greife, dann stehen da Leute wie Mandela oder Gandhi. Menschen, die für die Rechte anderer gekämpft haben, die Trauer und Schmerz auf sich genommen haben, die Überzeugen hatten und für Überzeugungen standen.

Da stehen Menschen wie die Geschwister Scholl oder Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die für Ihre Überzeugungen gestorben sind.

Da stehen die Gründungsmenschen der Europäischen Union, die aus einem gemarterten Kontinent ein neues Konstrukt geschaffen haben, das eine Brücke über den Hass sein konnte und ein Weg zur Versöhnung.

Da stehen meine Eltern, weil sie es geschafft haben, dass ich einiges verstehe von dieser Welt, jedenfalls mehr als Herr Schmieder.

Da stehen etliche Menschen, die etwas bewegt haben oder bewegen wollten. Die unsere Welt besser machen wollten und besser gemacht haben.

Und da steht auch ein gewisser Colin Kaepernick, der Mann der es „gewagt“ hat sich während der Hymne hinzuknien und dadurch (absurderweise) in der Lage war eine Diskussion über Rassismus anzustoßen. Obwohl Colin nicht ganz so gut Football spielen konnte, ich würde ihn Mr. Brady jederzeit als Vorbild vorziehen.

Ach so… Tom?! Starkes Spiel!

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Game? Stop!

Ein Händler von Computer- und Videospielen wird zum Börsenphänomen. Nicht, weil er sonderlich erfolgreich wäre, nein, die Geschäfte laufen schon lange nicht mehr. Sondern weil er zum Spielball von Marktmanipulatoren(?) geworden ist. Oder einfach nur von einer großen Gruppe gelangweilter Redditer, die gerne Machtspiele spielen und Kohle machen.

Der Ausgangsgedanke ist einfach. Aktien, die abgeschmiert sind und von Spekulanten/Hedgefondsmanagern „geshortet“ wurden, werden massenhaft von der WallstreetbetsRedditcommunity gekauft und der Preis so nach oben getrieben. Die Hedgefonds kaufen dann nach, um die Verluste gering zu halten, was aber wiederum den Preis steigen lässt. Das Modell und wie das alles funktioniert, ist an anderer Stelle deutlich genauer beschrieben, das wissen andere besser.

Was ich besser weiß: Das funktioniert so nicht!

  • Wenn die Börse zum Videospiel wird, haben wir ein Problem.
  • Wenn Geld verdienen auf Knopfdruck möglich ist, haben wir ein Problem
  • Wenn Computer über die Verteilung von Geldmitteln quasi-autonom entscheiden dürfen haben wir potentiell eine Vielzahl von Problemen

Daraus folgen meine durchaus ernst gemeinten Fragen:

  • Brauchen wir die Börse wirklich und wenn ja, welche?
  • Wie kann ich Börse und Wertschöpfung besser verknüpfen?
  • Wieviel Markt braucht der Mensch?
  • Wieviel Markt braucht der Markt?
  • Wie kann ich der Börse die notwendigen Grenzen des Wachstums einimpfen?

Was von Gamestopphänomen übrig bleiben wird, wenn der Spuk in einigen Tagen oder Wochen vorbei ist, das ist die spannende Frage. Genau wie bei digitalen Währungen ist die Schlagzeile vom Potential zu trennen. Während digitale Währungen und Kryptotechnik in den Medien hauptsächlich aufgrund ihrer Wertsteigerungen prominent waren, sind es tatsächlich technische Anwendungen und die Lösung vom staatskontrollierten Finanzmarkt, die sie wirklich interessant machen. Und die Erkenntnis, dass die Börse möglicherweise in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß und dringend reformbedürftig ist, ist eine spannendere Erkenntnis, als ein Finanzkrieg zwischen Hedgefonds und einer Armee von Polohemdenträger*inne*n.

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Die wichtigste Aufgabe unserer Epoche

Es impft der Mensch, solang‘ er strebt. Und dann? Was machen wir danach? Wofür kann der einwandfrei besorgte Bürger künftig Schilder hochrecken? Welche Initiative verdient unsere Unterstützung? Ich hätte da ein paar Ideen..

Fangen wir mit dem größten unlösbaren Problem der Menschheit an, unserem Gehirn. Ein faszinierendes Produkt der Evolution, ein Monster an Technologie, entwickelt im try-and-error über hunderte Millionen Jahre, jeder Tag ein Kampf, unsere Gedanken entsprechend auf das Überleben fixiert. Tatsächlich? Ja, tatsächlich! Wir gehen Bedrohungen aus dem Weg, kooperieren in Gefahrensituationen und versuchen unsere Lebenssituation stetig zu verbessern oder zumindest zu stabilisieren. Wir sind also sehr gute Überlebende. Aber….

Wir haben eine riesige Schwäche. Wir können nicht gut mit abstrakten und latenten Bedrohungen umgehen, denn diese kommen in der Natur selten vor, sind jedenfalls schlecht erkennbar und wenn mal was schief ging in der Vergangenheit, dann waren es die Götter. Entsprechend werden abstrakte Gefahren ignoriert, verdrängt, angezweifelt oder verniedlicht. Und Einschnitte aufgrund abstrakter Gefahren werden viel weniger akzeptiert, als bei konkreten.

Das ist ein Problem, denn uns läuft die Zeit weg. Wir sind auf dem besten Wege eine Antwort zu liefern, warum wir bisher keinen Kontakt zu extraterrestrischen Lebensformen aufgenommen haben. Ganz einfach, weil die Zeitspanne zwischen der Schaffung einer Technologie, die den Kontakt ermöglicht und der Zerstörung der technologieschaffenden Lebensform sehr kurz ist.

Jeder Tag an dem die Menschheitsentscheider sich nicht ernsthaft mit der Frage der Erderhitzung, dem größten lösbaren Problem der Menschheit, auseinandersetzen, ist eine kleine Katastrophe. Jeder Tag an dem diejenigen, die nicht so viel zu sagen haben, sich diesem nicht bewusst sind, ist ein verschwendetes Potential.

Das Skurrilste dabei ist, die notwendigen Maßnahmen sind im Kern völlig eindeutig und übereinstimmend. Wir brauchen also keinen neuen Plan, es gibt genügend Pläne. Was wir brauchen ist eine wirkmächtige, globale Initiative zur Rettung unserer Zivilisation, die die zahlreichen Pläne ausführt – und zwar asap. Alles was erderhitzend wirkt, darf nur noch in viel geringerem Maße emittiert werden. Wie das geht? Weg mit den größten Emittenten und zwar sofort! Das ist ungefähr so schwer zu verstehen, wie die Anweisung meiner Nachbarin, ich solle meine Musik runterdrehen, sonst rufe sie die Bullen. Laut zu leise. Ich darf also weiterhin ein Hörbuch zum einschlafen hören, das ist ok. Ich kann aber nicht die ganze Nacht laut Musik hören und sagen, dass ich mich morgen früh darum kümmere, sie runterzudrehen. Vorher steht Enrico in Uniform vor meiner Tür und beschlagnahmt die Anlage.

Entsprechend ist auch keine Nulldiät der Emissionen für jegliche Erdbewohner notwendig. Das ist auch gar nicht möglich, weil schon unvermeidliche Flatulenzen (Vollkornbrot!) erheblich klimaaktiv sind. Ich darf auch auf einem klimaokayen Planeten einmal im Jahr fliegen oder eine Tour machen, mit einem kraftstoffsparenden Kfz. Wieviele Emissionen vertretbar ist, das lässt sich ausrechnen.

Was nicht geht, sind die Emissionen des Sektors fossile Energieerzeugung. Ein Kohlekraftwerk, Gaskraftwerk oder eine Ölheizung darf in dieser Welt nicht mehr betrieben werden. Null, nix, niente, weg damit, sofort, da kann ich Gretas Wut verstehen und ich hoffe sehr, dass sie bald wieder die Schlagzeilen bestimmt und vielleicht Anführerin einer internationalen Initiative wird, die diesen grotesken Zustand beendet.

Wir laufen hier in eine Notwehrlage rein und das gefällt mir nicht. Eine mit sich selbst beschäftigte, dauerverängstigte Gesellschaft scheincooler Individualisten, ist ein perfektes Spielzeug für korrupte Politiker und Lobbyisten. Und die Mahner mahnen schon viel zu lange, als dass mir ein PunchOutPlan wahrscheinlich erscheint.

Doch ohne wird es nicht gehen, denn dann werden wir im Permafrostbombenhagel untergehen, die Nahrungsversorgung zusammenbrechen und dann wird es hier richtig ungemütlich! Das müssen wir uns ersparen!

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Go away Mr. T.!

Dear Mr. T.,

Rarely has there been a person in human history that was less fit for a job. Compare it with a blind gardener that is running a nuclear power plant and you are still worse. But you made it without getting fired. What a surprise! They just didn’t prolong your contract.

You are a good example for the fact that money is overly important in this world. And you are a good example for the fact that power is harmful if you have no sense for human decency, no empathy and only your own good is on your mind.

But you are a good entertainer, I must admit that. And you really have funny hair!

I’m so glad this global nightmare is ending now and I wouldn’t be surprised if you spend some time in a proper prison cell or on some boring island in the Caribbeans. The new Napoleon, banned and broke?

But please:

Go away Mr. T. and never come back!

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Schließt die wahre Schweinebucht

Das Gefangenenlager in Guantanamo Bay hat 19. Geburtstag gefeiert und immer noch sind dort 40 Menschen eingesperrt. Ohne taugliche Rechtsgrundlage versteht sich.

Ich verfüge hiermit die Schließung dieser Sauerei und gehe davon aus, dass mein Opi Joe sich um die Umsetzung kümmert. Außerdem war Orange die Signaturefarbe von T. und der geht ja bald selbst in den Bau. Vielleicht wäre das eine geeignete Anschlussverwendung für Schweinebucht II: T. in Guantanamo, Orange in Orange, umgeben von seinen kommunistischen Lieblingslatinos.

Das ist so ein fantastisches Szenario, ich würde für die Show sogar Geld bezahlen.

Arbeitstitel: The Real Apprentice

https://www.amnesty.de/allgemein/pressemitteilung/usa-biden-muss-guantanamo-schliessen

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Schneetief Ahmet & Georgia on my Mind

Schneetief Ahmet bringt uns weiße Neujahrsvibes und lässt auf den Berliner Straßen den Matsch spritzen. Moment: Ahmet? Wo ist denn Tief Cordula hin? Hoch Markus?

Ein Verband, die „Neuen deutschen Medienmacher*innen“, hat im Rahmen der Kampagne „Wetterberichtigung“, die Namensrechte (Patenschaften) einiger Hoch- und Tiefdruckgebiete eingekauft. Und besetzt jetzt fleißig Wetterphänomene mit Namen, die der multikulturellen deutschen Gesellschaft mehr entsprechen, als es eben die üblichen „Heimatfilmnamen“ tun.

Anyway: Danke für den Schnee, Ahmet, auch wenn nicht viel liegen geblieben ist.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1146599.wetterberichtigung-frau-holle-heisst-jetzt-ahmet.html

Stichwahl in Georgia am heutigen Tag und es ist scheißewichtig für die Welt. Unter anderem die Klimapolitik der Vereinigten Staaten hängt an der Senatsmehrheit und die weltweite Klimapolitik hängt (leider) nicht unerheblich an der der USA. Wenn Biden nicht (für mindestens zwei Jahre) zur „Lame Duck“ werden soll, müssen die Demokraten beide Stichwahlen gewinnen. Also heißt es Daumen drücken!

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175 Jahre Einsamkeit?

Der Fall Julian Assange ist ein gruseliges Beispiel dafür, wie politische Macht genutzt und missbraucht werden kann, um einen Menschen mundtot zu machen und zu zerstören; und das unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Was Assange getan hat, was ihm von den US-Anklägern vorgeworfen wird: Die Veröffentlichung von geheimen Informationen (unter Mithilfe von Chelsea (damals Bradley) Manning), insbesondere betreffend den Krieg im Irak und in Afghanistan und dort begangene Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen.

Eigentlich ist die Veröffentlichung derartiger Schweinereien eine journalistische Selbstverständlichkeit (oder sollte es sein) und es kotzt mich außerordentlich an, was daraus gemacht wurde: Ein Mammutverfahren mittels des rechtlichen „Gefährts“ Espionage Act 1917 mit einer maximalen Strafandrohung von 175 Jahren Unfreiheitsstrafe. Dass gegen Assange persönlich (in Schweden) auch wegen Sexualdelikten ermittelt wurde – auch hierzu gibt es ausführliche Artikel und die Stichhaltigkeit der Anschuldigungen ist umstritten, weshalb ich mich da raushalten möchte – hat nichts damit zu tun, da die Handlungen Assanges in Schweden die Pressefreiheit nicht tangieren und es eben nicht darum geht, ob Assange nur Opfer ist oder auch Täter.

Nein, es geht darum, dass es erlaubt sein muss, Informationen über solche durch das Militär begangene Morde und weitere Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen. Es geht darum, dass hier quasiarchaische Gesetze benutzt werden, um die Pressefreiheit zu zerschießen. Der Espionage Act ist auch nicht viel besser als das stationäre Maschinengewehr mit dem aufgepeitschte Soldaten in bester Call of Duty Manier von ihrem Helikopter aus wahllos auf Menschen geschossen haben.

Assange ist ganz sicher kein Heiliger und noch nicht einmal ein besonders gutes Vorbild für Investigative. Aber was die politische Führung und die Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten da abziehen, ist erbärmlich und Ausdruck einer rückwärtsgerichteten, repressiven Machtpolitik, die anderen Journalisten und investigativ tätigen Menschen schlicht Angst machen soll. Ekelhaft!

Mehr zum Thema:

https://netzpolitik.org/2020/julian-assange-pressefreiheit-vor-gericht/

https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

https://www.newyorker.com/news/our-columnists/charging-julian-assange-under-the-espionage-act-is-an-attack-on-the-first-amendment

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frag den staat

aus aktuellem anlass möchte ich auf fragdenstaat.de hinweisen, ein projekt, was sich mit anfragen auf grundlage des informationsfreiheitsgesetzes beschäftigt. das ist u.a. deswegen interessant und wichtig, weil weite teile der demokratischen entscheidungsprozesse weiterhin intransparent sind und damit schwer nachzuvollziehen bleibt, was die beweggründe der entscheidungen tatsächlich waren. fds beschreibt anliegen und prozess des projektes detailliert auf ihrer website, mit zahlreichen beispielen und dokumenten unterlegt, und beweist damit, dass sie selbst transparenz walten lassen, insofern schaut einfach dort vorbei. ihr seid daneben herzlich eingeladen anfragen zu stellen oder an fds zu spenden.

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