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samstag: open up!

Der härteste Winter ist vorbei

Wir haben es fast geschafft. Am Montag beginnt der meteorologische Frühling und der Double-Lock-In aus Klima und Covid wird alsbald enden. Ich will nicht behaupten, dass es ein absolut harter Winter war – im Vergleich zu meinen Großeltern, die 44/45 im Trek vor der roten Armee aus Rumänien abgehauen waren, war es sogar ein ziemlich luxuriöser – aber vergnügungsteuerpflichtig war er definitiv auch nicht.

Für viele dürfte es der härteste Winter ihrer Zeit gewesen sein und der ist jetzt überstanden und dazu beglückwünsche ich uns alle! Hach ja! Ich freue mich schon richtig darauf, wieder ein „nonvirales“ Leben zu leben und ohne Kaffeefilter auf der Nase einkaufen zu gehen. Die kleinen Dinge eben…

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freitag: science please

Dinomittelschichtschwund

Die Dinosaurier werden immer trauriger (YT). Jedenfalls die Raubsaurier mittlerer Größe. Und das, weil ihnen die Kinder größerer Saurier nicht nur die Haare vom Kopf gefressen, sondern auch den Dinoschmaus weggeschnappt haben, wie eine aktuelle Studie vermutet.

Ist es nicht schön, dass ein paar Forscher es geschafft haben ihre Dinoleidenschaft zum Beruf zu machen? Irgendwie habe ich da auch gerade Lust drauf. Saurierknochen ausgraben und darüber nachdenken, was in Kreide und Jura so abging.

Apropos Dinos. Der beste Meme zur Covidkrise soll euch nicht vorenthalten bleiben. Voilà!

https://economicsociology.org/2020/03/31/coronavirus-and-the-economy/

Hintergrund:

https://www.wissenschaft.de/erde-klima/jungtiere-begrenzten-raubsaurier-vielfalt/

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donnerstag: celluloid

Feel Good

Feel Good (Netflix)

Feel Good (Rotten Tomatoes)

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mittwoch: freakyfuckedup

Kennen wir uns?

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dienstag: die öffentliche meinung

In or Out?

#Actout (SZ). Unter diesem Slogan haben sich Anfang Februar 185 Schauspieler*Innen als homosexuell geoutet (ZEIT). Eine mutige, wichtige und bewundernswerte Aktion, sowohl für die Beteiligten, als auch für alle anderen Menschen, insbesondere solche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung selbst mit Vorurteilen konfrontiert werden.

Und dann kam Philip Lahm, wieselflinker Ex-Profifußballer und Geschäftsmann, und empfahl (als Teil seines neuen Buchs) den Mitgliedern „seiner“ Branche, den Fußballern, sich doch lieber nicht zu outen (SZ). Lahm weist dabei auf die „Gefahren“ des Outings hin, die jedem bewusst sein dürften, der die Fußballwelt und ihr Verhältnis zur übrigen Gesellschaft verfolgt. Der erste Profifußballer, der sich jemals geoutet hat, hieß Justin Fashanu und beging einige Jahre später Suizid (Wikipedia).

Was Lahm meint, ist nachvollziehbar. Es ist der einfachere (nicht einfache!) Weg mit der eigenen Homosexualität im Profisport, speziell im Fußball (SPIEGEL), umzugehen. Es ist aber, wie ich finde, der falsche.

Die Welt des Fußballs ist Zerrbild unserer Gesellschaft. Sie ist männlicher, weißer, konservativer, machistischer und eben auch homophober als andere Bereiche. Und es ist höchste Zeit daran etwas zu ändern.

Ich bin der Überzeugung, dass der beste Weg dafür ist, dass #Actout auf den Profifußball übertragen wird. Dass sich homosexuelle Profifußballer zusammenschließen und eine sexuelle Revolution ausrufen, um damit den Fußball in die gesellschaftliche Jetzt-Zeit zu überführen. Vielleicht gerade in CoVid-Zeiten, solange keine Zuschauer im Stadion sind, die ihre Dümmlichkeit beweisen wollen.

Es ist Zeit, dass der Zwang, die eigene Lebensweise zu verheimlichen oder sogar zu unterdrücken, auch im Fußball aufhört. Es ist an der Zeit, dass Homosexuelle auch im Fußball sichtbar und alltäglich werden. Es ist an der Zeit sich von einer Fankultur abzugrenzen, die auch weiterhin Ressentiments lebt und verbreitet. Die echten Fans werden dabei bleiben, denn einem echten Fan ist Fußball wichtig, nicht der/die Sexualpartner*In der Spieler*Innen.

Dieser Meinung ist auch das Fußballmagazin 11 Freunde und hat in seiner gedruckten Ausgabe mit der Initiative „Wir sind auf eurer Seite“ (Kicker) die Unterstützung homosexueller Fußballer*Innen klar gemacht. Max Kruse, Headliner der Kampagne, war schon immer einer meiner Lieblinge, nicht nur weil er jede Menge Zeug angestellt hat und super-kreativ spielt, sondern weil er auch sagt was er wirklich denkt, etwas was Herrn Müller ja immer unterstellt wird.

Jetzt bleibt noch die Frage, wie die Initiative getauft werden soll. Ich würde es spontan #Ballsout nennen, aber ich bin ein Schelm und wir finden sicher noch einen besseren Begriff. Auch glaube ich fast, dass die Frauen hier den ersten großen Schritt machen werden, denn die haben häufig mehr Eier (YouTube) in der Hose.

Ich finde, dass Herr Lahm an dieser Stelle ansetzen und einschwenken sollte auf eine Linie, die auf Überzeugung und Veränderung setzt, statt auf Verschwiegenheit. Und ich wünsche mir ganz konkret, dass Herr Lahm seine Empfehlung in der zweiten Auflage seines Buchs (so sie denn erscheint), abändert in:

Geht’s raus, spielt’s Fußball und seid wer ihr sein wollt!

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montag: musique

One last time

Daft Punk – Epilogue
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sonntag: lutaretir

Links und Rechts

Eine kurze Liste von Leseanregungen. Unterstützt den lokalen Buchhandel, Amazon macht genug Geld mit Serververmietungen.

Linke Hirnhälfte:

Daniel Kahneman – Schnelles Denken, Langsames Denken

Yuval Noah Harari – Eine kurze Geschichte der Menschheit

Nassim Nicholas Taleb – Antifragilität

David Graeber – Bullshit Jobs

Naomi Klein – Die Entscheidung

Rechte Hirnhälfte:

Vladimir Nabokov – Lolita

Michail Bulgakov – Der Meister und Margarita

Albert Camus – Der Fremde

Wolfgang Herrndorf – Arbeit und Struktur

Thomas Bernhard – Der Untergeher

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samstag: open up!

Googles Werk und Titanics Beitrag

Google glaubt an Gott!? Und sperrt u.a. wegen Gotteslästerung die App des Satiremagazins Titanic im Android Play Store. Wer hätte das gedacht(?)

Anlass ist die doch recht profane Darstellung von Papst Franziskus mit Kruzifix im Hinterteil und eines entblößten Jesus, wie man ihn sonst nur im sommerlichen Berliner Tiergarten zu Gesicht bekommt.

Geil, ja! Fast so groß wie Kai Dickman. Aber ist das Gotteslästerung? Und wäre Gotteslästerung ein hinreichender Grund die App der Titanic zu sperren? Schauen wir doch mal in die die Play Store AGB…

– AGB des Google Play Store

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Die Vertriebsvereinbarung für Entwickler von Google Play verweist auf die Richtlinie für Entwickler. Ich habe dort nach einem Hinweis auf ein Verbot von Gotteslästerung gesucht, bin aber nicht fündig geworden. Der von der Titanic übermittelte Hinweis auf „profanity“ deutet also vermutlich auf etwas anderes hin, was meine Recherche zum Wort bestätigt:

Profanity is socially offensive language,[1] which may also be called cursingcussing or swearingcuss words (American English vernacular), curse wordsswear wordsbad words, or expletives. Used in this sense, profanity is language that is sometimes considered by certain parts of a culture to be strongly impolite, rude, or offensive. It can show a debasement of someone or something,[2] or be considered as an expression of strong feeling towards something.

In its older, more literal sense, „profanity“ refers to a lack of respect for things that are held to be sacred, which implies anything inspiring or deserving of reverence, as well as behaviour showing similar disrespect or causing religious offense.[3]

Da Google ja modernes Englisch spricht, geht es offenbar nicht um Gotteslästerung. Ich suche weiter und finde:

Pornografische Inhalte und vulgäre Sprache

Apps, die pornografische Inhalte oder vulgäre Sprache enthalten oder dafür werben, einschließlich Inhalten und Diensten, die der sexuellen Befriedigung dienen, sind nicht zulässig. Inhalte, in denen die Nacktheit offen dargestellt wird, sind erlaubt, wenn sie hauptsächlich pädagogischen, dokumentarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Zwecken dienen und nicht überflüssig sind.

Es geht also vermutlich um die dargestellte Nacktheit. Und die will Google erst ab 18 erlauben, auch im Cartoon. Dagegen streitet die Kunst- und Satirefreiheit, die sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr weit reicht, wobei ich stark davon ausgehe, dass die Titanic gute Chancen hätte, gegen die Sperrung vorzugehen. Gotteslästerung spielte dabei keine Rolle, allenfalls ist der Bezug zu Gottessymbolen ein Aspekt der Satire und damit eher auf Seiten der Titanic.

Fazit: Gott ist tot und spätestens Google hat ihn getötet. Das sollte der stellvertretende Feuilletonchef der FAZ doch eigentlich wissen. Und ja, wenn ich mich hier irren sollte, lasse ich mich gern ans Kreuz nageln.

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freitag: science please

Life On Mars?

Is There Life On Maaaaaars?, sang einst David Bowie, Ehrenschöneberger und Nachbar meiner Eltern in den 70ern. Wir wissen es immer noch nicht, aber seit gestern Abend, 21:56 mitteleuropäischer Zeit (Marszeit ist mir nicht bekannt) sucht mal wieder ein Roboter nach Spuren außerirdischen Lebens.

Eine gewisse vorauseilende Ironie des Schicksals lässt sich angesichts der Mars-Erde-Verhältnisses nicht verleugnen. Während für die Entwicklung des ulkigen Marsrovers Perseverance 2,7 Milliarden Dollar locker gemacht wurden, kommt die internationale Staatengemeinschaft auf dem Planet Erde, der definitiv Leben enthält, nicht zu Potte dieses zu erhalten. Und dienten die Mondmissionen der 60er vor allem als Schwanzvergleich der Weltmächte UDSSR und USA, so wirken die aktuellen Marsexpeditionen wie Kompensationshandlungen eines prokrastinierenden Heliumballonpiloten, der merkt, dass er ein Leck in seinem Fluggerät hat, aber lieber Candycrush zockt.

Nun waren evolutionär sinnlose Ausgaben für Sektoren wie Raumfahrt und Militär oft auch Antrieb für technologische Errungenschaften im Zivilsektor. Vielleicht wäre es aber angesichts einer aktuellen Weltwirtschaftskrise 2.0 doch sinnhafter, Direktinvestitionen vorzuziehen, statt den Umweg über den Mars zu nehmen.

Das Weltall fasziniert mich. Und die technischen Errungenschaften speziell der Nasa sind beeindruckend. Ich glaube allerdings, dass diese klugen Köpfe gerade an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Mir drängt sich hier der Eindruck auf, dass öffentliche Gelder häufig ausgegeben werden, wie das Taschengeld von 10-jährigen Jungs: Hauptsache es knallt! Klar, Mama und Papa zahlen’s ja, da braucht der Fokus jetzt nicht unbedingt auf Sinn und Nachhaltigkeit zu liegen, lieber auf „das fühlt sich geil an“. Was aber auf dem Grundschulhof als Investion überzeugt (ein Mini-Marsrover) ist etwas anderes als was mich heute als Investition überzeugt (ein schöner Grundschulhof mit zahlreichen Angeboten für die Persönlichkeitsentwicklung).

Im besten Falle sind erwachsene Menschen sich der Tatsache bewusst, dass sie in einigen Bereichen die kleinen Kinder geblieben sind, die sie mal ganz waren. Und ich gebe gerne zu, dass ich auch oft Geld wie ein 10-jähriger ausgebe, aber das ist mein Geld und nicht das Geld der anderen. Daneben habe ich keine 2,7 Milliarden Dollar Spielgeld auf der hohen Kante und wenn ich sie hätte, würde ich sie eher in Photovoltaikanlagen stecken, statt in eine Entertainment-Expedition zum Mars. Und das, weil sowas wirklich wichtig ist.

Welcher Maßstab soll bei der Verwendung öffentlicher Gelder denn sonst gelten, als dass das Erlangte für uns alle (oder wenigstens diejenigen, die es finanziert haben) wirklich wichtig ist? Es ergibt keinen Sinn, das Dach auszubauen, wenn das Fundament porös ist!

Um zu erreichen, dass öffentliche Gelder wirklich uns dienen, müssen wir unsere Stimme erheben und kämpfen, für Kontrollmechanismen und Haftungsregelungen, die Steuerverschwendungen u.ä. vermeiden. Das erfordert vor allem viel Ausdauer oder auf Englisch: perseverance. Und wenn die Hausaufgaben erledigt sind, können wir immer noch zum Mars fliegen. Vielleicht ist David ja da.

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donnerstag: celluloid

Erwachsene Kinderkunst

Helena Zengel hat mit 12 Jahren ihre erste Golden Globe Nominierung erhalten. Gut möglich also, dass wir bald wieder einen internationalen Filmstar aus Berlin haben. Zeit wird’s denn Marlene Dietrich ist ja nun auch schon eine Weile her..

Zengel schaffte ihren Durchbruch mit dem Film Systemsprenger (fantastisch und verfügbar bei Netflix) und war darin so gut, dass Hollywood gleich zugegriffen hat. Der von Paul Greengrass gedrehte und mit Tom Hanks als Hauptdarsteller besetzte als Westernroadmovie konzipierte News Of The World ist nun vor einigen Tagen erschienen (Netflix). Und auch hier beweist Zengel ihr Talent, wirkt fast noch unterfordert vom etwas gemächlichen Wild-West-Plot und ihrer wenig physischen Rolle. Da geht noch viel, viel mehr…

Ich habe mich auch angesichts eines aktuellen Podcasts mit Jodie Foster gefragt, ob Zengel den Sprung vom Kinderstar zum Erwachsenenstar schaffen wird. Ich glaube aber, dass sich die Frage schon gar nicht stellt, weil dieses Kind gar kein Kinderstar ist. Sie ist eine junge Filmstarin, die gar nicht spielt wie ein Kind.

Sie ist kein süßer Kevin, Home Alone und eingeschneit wie ein Bewohner Berlins mit Lock-Down-Syndrom, der sich mit dem Bügeleisen gegen Einbrecher verteidigt. Nein, eher wie Frau Foster in Taxi Driver. Und die ist immer noch gut dabei.

We will cheer for you, Helena!

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mittwoch: freakyfuckedup

1 Jahr Hanau. Nie wieder rassistischer Terror!

https://m.faz.net/;artikel_bereich=galerie/aktuell/gesellschaft/menschen/anschlag-in-hanau-was-waere-aus-den-opfern-geworden-17196377.html
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dienstag: die öffentliche meinung

Die Liebe in den Zeiten der Corona

§ 2 Kontaktbeschränkung, Aufenthalt im öffentlichen Raum*

(1) Jede Person ist angehalten, die physisch sozialen Kontakte zu anderen Menschen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören, auf das absolut nötige Minimum zu reduzieren und auf Reisen zu verzichten sowie die eigene Wohnung oder gewöhnliche Unterkunft nur aus triftigen Gründen zu verlassen. (…)

*SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

Nichts ist schöner, als die Sprache des Gesetzgebers. Außer allem anderen. Und nichts ist klarer…

Das „absolut nötige Minimum“ an sozialen Kontakten also. Bis vor 11 Monaten hätte ich eine solche Formulierung für eine dystopische Sci-Fi-Fantasie gehalten. Und mittlerweile ist es daily business…

Aber was ist mit der Liebe in den Zeiten der Corona? Ist Liebe außerhalb des eigenen Haushalts erlaubt? Geistige Liebe ist natürlich erlaubt, die funktioniert ja auch remote. Aber was ist mit der körperlichen Liebe (die ich jetzt einfach mal so nenne, weil das netter klingt)? Ist körperliche Liebe vom „absolut nötigen Minimum“ erfasst?

Nun, die Frage ist erstmal relativ einfach zu beantworten. Der Gesetzgeber stellt mit „absolut nötiges Minimum“ auf den individuellen Bedarf des Einzelnen ab. Wenn es für das Individuum nicht mehr anders „geht“, dann ist die körperliche Liebe also zulässig. Ich nenne das einfach mal „individuell ausreichendes Verlangen“.

Was aber, wenn ich auf dem Weg zu einem Stelldichein in eine Polizeikontrolle gerate? Für die Rechtfertigung meines Verhaltens wäre ein „individuell ausreichendes Verlangen“ nachzuweisen und hier wird es wieder schwierig. Bei Männern kann ich mir das ja noch vorstellen, da reicht u.U. schon ein einfaches Abtasten des Schritts und das können Polizeibeamte ja relativ gut. Aber wie geht das bei Frauen und Sonstigen*?

Bei Frauen wäre die Kontrolle wohl schon deutlich komplizierter und auch invasiver. Zudem müssten aus nachvollziehbaren Gründen Polizeibeamtinnen die Prüfung vornehmen, die aber immer noch deutlich unterrepräsentiert sind, vor allem bei Streifengängen.

Bei Sonstigen wird es dann richtig abgefahren. So bunt wie unsere Welt mittlerweile ist, müssten unsere uniformierten Musterknäbinnen und -knaben einen ganzen Katalog an Erregungszeichen deuten können. Und das so zuverlässig und genau, dass ein „individuell ausreichendes Verlangen“ auch tatsächlich nachgewiesen ist.

Als überzeugter Besucher des Motzstraßenfests und des CSD sowie anderer genderscheißegaler Veranstaltungen weiß ich, dass selbst mir, geborener Schöneberger, der die queere Kultur quasi mit der Muttermilch ins Maul gespritzt bekommen hat, eine genaue Einordnung oft schwer fällt.

Wie soll das also – bei allem Respekt – Ronny aus Bukow schaffen?

Das ist ein unlösbares Dilemma, denn letztlich kann unser Freund und Helfer diese notwendigen Prüfungen nicht stemmen. Damit aber kann jeder noch so halb motivierte Schlafsack ungestraft seine Fünf-Minuten-Terrine schlürfen und jede gestresste Businessfrau noch faul die Weißweinschorle ausklingen lassen. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers!

Halt! Einen Ausweg gibt es vielleicht. Die gute alte Strafanzeige! Wenn das Date nicht richtig performt, sondern nur gelangweilt herumliegt oder herumliegen lässt, dann ist ja wohl das fehlende „individuell ausreichende Verlangen“ nachgewiesen. Folglich handelt es sich um einen nicht absolut notwendigen Kontakt! Und der ist illegal!

Also, ihr Unbefriedigten da draußen. Statt nach dem Äktchen frustriert zur E-Zigarette zu greifen, ruft einfach 110 an, damit diesem Gebaren Einhalt geboten wird und diesen Lüstloslingen die Handschellen angelegt werden können. Vielleicht regt sich dann ja noch was!

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montag: musique

Vorher-Nachher-Show

Heute begeben wir uns musikalisch in die Welt der plastischen Chirurgie. Genau! Es geht um’s Covern von Songs. Let’s go!

Robert Palmer – Johnny & Mary
Bryan Ferry & Todd Terje – Johnny & Mary

Ein flotter 80er Jahre Klassiker von Robert Palmer verwandelt sich in eine bassige, lässig wabernde Melodiebombe. Locker einer der besten Cover der 2000er. Offensichtlich ist die Anlehnung an den Twin Peaks (Palmer!) Soundtrack, den Terje geschickt in den Beat einwebt. Bryan Ferry gibt dem ganzen einen angemessenen Schuss Nostalgie. Der Song war so gut, dass er dann sogar zwei Mal veröffentlich wurde, sowohl auf Ferrys Album Avonmore als auch auf Terjes It’s Album Time.

Nine Inch Nails – Hurt
Nine Inch Nails – Hurt

Fast könnte man auf die Idee kommen, dass Reznor den Song gecovert hat, aber es war natürlich andersrum. Wir verdanken Rick Rubin, dass er Cashs Geradlinigkeit für einige wunderschöne Cover zu nutzen wusste und u.a. Hurt damit weltbekannt machte. Zwei Versionen der gleichen Verzweiflung.

Judy Garland – Over The Rainbow
Louis Armstrong – What A Wonderful World
Israel Kamakawiwo’ole – Over The Rainbow & What A Wonderful World

Zwei der wohl meistgecoverten Songs der Musikgeschichte. Und was macht Herr Kamakawiwo’ole? Er schnappt sich seine Ukulele und verschmilzt sie zu einer puristischen Hymne an die Menschlichkeit, den Zusammenhalt und die Liebe.

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sonntag: lutaretir

Amazing grays

Er blickte um sich, als sähe er zum ersten Male die Welt. Schön war die Welt, bunt war die Welt, seltsam und rätselhaft war die Welt! Hier war Blau, hier war Gelb, hier war Grün, Himmel floß und Fluß, Wald starrte und Gebirg, alles schön, alles rätselvoll und magisch, und inmitten er, Siddhartha, der Erwachende, auf dem Wege zu sich selbst. All dieses, all dies Gelb und Blau, Fluß und Wald, ging zum erstenmal durchs Auge in Siddhartha ein, war nicht mehr Zauber Maras, war nicht mehr der Schleier der Maya, war nicht mehr sinnlose und zufällige Vielfalt der Erscheinungswelt, verächtlich dem tief denkenden Brahmanen, der die Vielfalt verschmäht, der die Einheit sucht. Blau war Blau, Fluß war Fluß, und wenn auch im Blau und Fluß in Siddhartha das Eine und Göttliche verborgen lebte, so war es doch eben des Göttlichen Art und Sinn, hier Gelb, hier Blau, dort Himmel, dort Wald und hier Siddhartha zu sein. Sinn und Wesen war nicht irgendwo hinter den Dingen, sie waren in ihnen, in allem.

„Wie bin ich taub und stumpf gewesen!” dachte der rasch dahin Wandelnde. „Wenn einer eine Schrift liest, deren Sinn er suchen will, so verachtet er nicht die Zeichen und Buchstaben und nennt sie Täuschung, Zufall und wertlose Schale, sondern er liest sie, er studiert und liebt sie, Buchstabe um Buchstabe. Ich aber, der ich das Buch der Welt und das Buch meines eigenen Wesens lesen wollte, ich habe, einem im voraus vermuteten Sinn zuliebe, die Zeichen und Buchstaben verachtet, ich nannte die Welt der Erscheinungen Täuschung, nannte mein Auge und meine Zunge zufällige und wertlose Erscheinungen.”

Hermann Hesse, Siddharta

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samstag: open up!

Alles wird besser (wenn wir es nicht ganz versauen…)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
2020 war ein Täuschungsmanöver, denn in Wirklichheit wird alles immer besser.

Wir werden immer gesünder und leben immer länger, wir haben weniger Tote durch Gewalttaten, wir haben weniger Gewalt, weniger Kriege, wir haben mehr Informationen, wir haben mehr Gleichheit, wir haben mehr Durchlässigkeit, wir haben mehr Transparenz, wir haben mehr Menschenrechte, wir haben weniger Hunger, wir haben weniger Seuchen, wir haben mehr Rücksichtnahme, wir haben schnelleren Transport, wir haben weniger gesellschaftliche Zwänge, wir können heiraten, wen wir wollen, wir können meckern und fluchen, ohne dass der Nachbar uns anzeigt, wir haben mehr Komfort, wir haben weniger einseitige Tätigkeiten, wir haben mehr Unterhaltung, wir haben weniger Sendepause, wir haben mehr Möglichkeiten für Sendepausen, wir haben fast alles hier, wir haben mehr als früher woanders, wir haben die größten Möglichkeiten aller Zeiten.

Warum fühlt sich das nicht so an?

Weil unsere Erwartungen mitwachsen, weil wir mit dem, was wir geschafft haben (manchmal auch zu Recht) nicht zufrieden sind, weil wir uns allzu oft vergleichen, weil wir uns stressen, weil wir uns stressen lassen, weil wir uns Ideologien unterwerfen, die uns die eigene Minderwertigkeit unterjubeln, weil wir uns Angst machen lassen, von einigen Irren mit Bomben und Trucks, weil wir uns ärgern lassen, von Trollen und Kobolden des Internets, weil wir uns Angst machen lassen vor der Zukunft, die Zukunft, die wir bestimmen(!)

Was tun?

Wenn wir das anerkennen, was wir geschafft haben, wenn wir das anerkennen, was besser geworden ist, wenn wir erkennen, wie anderen geholfen werden kann, wenn es uns wichtiger ist, dass es allen gut geht, als dass es uns selbst am besten geht, wenn wir Verzicht als Chance begreifen und nicht als Bedrohung, wenn wir Utopien nicht als Grund für den Arztbesuch verteufeln, wenn wir ans Gute glauben können, ohne den Antagonisten zu fürchten, wenn wir öfter an den Tod denken, als an die Steuererklärung, wenn wir uns gehen lassen können, ohne anderen zu schaden, wenn wir nach Weisheit streben und nicht nach Eigentum. Dann wird klarer, dass alles besser wird und alles wird noch besser werden.

Wenn wir es nicht ganz versauen…

Ich sage es so deutlich, wie es geht: Die Menschheit wird mit großer Wahrscheinlichkeit untergehen oder radikal dezimiert, wenn die Erderhitzung nicht gestoppt wird. Die Erderhitzung wird, wenn es so weiter geht, Kriege verursachen, sie wird einen Ökoterrorismus erzeugen, sie wird ein Massensterben verursachen, Nahrungsketten sprengen, es wird chaotisch, es wird unangenehm, es wird scheiße. Der Kreislauf des Lebens von Landsäugetieren ist fragil und, liebe Mitbürger, leider sind wir auch nur Landsäugetiere. Schlaue, ja, absurd schlau, zu schlau eigentlich. Wenn Menschen nur so schlau geworden wären, wie unser Verkehrsminister, hätten wir vermutlich immer noch nicht das Rad erfunden. Aber es läuft ein wenig anders, dank vieler kluger Köpfe.Und an die appelliere ich:

TRAUT EUCH DAS GUTE ZU UND ALLES WIRD BESSER!

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freitag: science please

Der Ansteckungsrechner

Ein Wohl auf die Wissenschaft! Und die Zeit (die Zeitung nicht die Raum-Zeit) die uns endlich unser Ansteckungsrisiko berechnen lässt!

Ich habe meins gerade nach folgenden Parametern berechnet: Ich bin mit einer an der neuen CoVid Supervariante B117 erkrankten Person 12 Stunden in einem 10m² großen und fünf Meter hohen Saal, wir beide tragen eine FFP2 Maske und der andere schreit mich 10 Stunden und 48 Minuten an, wobei jede Stunde für zehn Minuten stoßgelüftet wird.

Wer behauptet, dass das kein realistisches Szenario sei, war noch nie in Guantanamo oder bei einer Unternehmensberatung.

Das Ergebnis: Nur 3% Ansteckungswahrscheinlichkeit. Mensch, dann geh ich doch danach gleich noch zum Friseur!

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2021-02/corona-infektion-ansteckungsgefahr-coronavirus-mutation-b117-aerosole
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donnerstag: celluloid

Die nackte Wahrheit

Larry Flint ist gestorben. Während Hugh Heffner der Eros des Establishments war, war Flint der Mann für’s Grobe. Zahlreiche Skandale, Prozesse und Schicksalsschläge, ein Attentat und natürlich viel Schmuddel. Man kann von diesem Typen halten was man möchte, aber er war meinungsstark, streitbar und bietet erhebliches Unterhaltungspotential, weshalb Miloš Forman bereits 1996 einen Film über ihn gedreht hat, der u.a. mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Woody Harrelson und Courtney Love, dazu ein sehr junger Edward Norton – Zeit den VHS-Rekorder aus dem Keller zu holen und ab in die Videothek! Oder notfalls im Stream.

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mittwoch: freakyfuckedup

Tausendundeine Nacht Knast

Ludschain al-Hathlul wurde heute nach knapp 3-jähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Frau al-Hathlul hatte sich in Saudi-Arabien des unerlaubten weiblichen Autofahrens und der Meinungsäußerung schuldig gemacht, woraufhin die örtliche Staatsanwaltschaft eine 20-jährige Haftstrafe gefordert hatte. Verurteilt wurde sie dann gnädigerweise nur zu knapp sechs Jahren. Soweit so unglaublich und trotzdem bittere Realität.

Umso bewundernswerter der furchtlose Einsatz von Frau al-Hathlul, die nun allerdings durch ein Ausreiseverbot und die weitere Aussetzung der Strafe zur Bewährung unter einem wahrhaften Damokleskrummschwert umherwandeln darf. Das Schwert auf der Flagge ist mittlerweile gerade, vielleicht wäre es an der Zeit, das ein oder andere Menschenrecht glatt zu ziehen.

Das, liebe Bundesregierung, wäre doch Mal ein Anlass ein wenig Diplomatie walten zu lassen – nachdem euch Snowden ja zu heiß war…

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dienstag: die öffentliche meinung

Vorbildrolle

Es kann kein größeres Vorbild geben als Tom Brady: Er zeigt, dass einem die Natur nicht unfassbare Athletik oder grandioses Talent schenken muss, um der Beste zu sein in dem, was man im Leben tut.

Das schreibt Jürgen Schmieder in der Süddeutschen und ich reibe mir verwundert die Augen. Brady, der Golfbuddy von Donald Trump ein größtmögliches Vorbild? Weil er hart an sich arbeitet und diszipliniert isst/ist? Der „Beste zu sein“, als sinnstiftendes Element und Ideal?

Was Brady kann: Er kann brilliant einen Football werfen. Und er sieht aus wie Barbies Ken. Und er verkauft Sportnahrung. Macht ihn das zum größtmöglichen Vorbild? Was macht ein Vorbild aus?

Wenn ich hoch ins Regal meiner Vorbilder greife, dann stehen da Leute wie Mandela oder Gandhi. Menschen, die für die Rechte anderer gekämpft haben, die Trauer und Schmerz auf sich genommen haben, die Überzeugen hatten und für Überzeugungen standen.

Da stehen Menschen wie die Geschwister Scholl oder Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die für Ihre Überzeugungen gestorben sind.

Da stehen die Gründungsmenschen der Europäischen Union, die aus einem gemarterten Kontinent ein neues Konstrukt geschaffen haben, das eine Brücke über den Hass sein konnte und ein Weg zur Versöhnung.

Da stehen meine Eltern, weil sie es geschafft haben, dass ich einiges verstehe von dieser Welt, jedenfalls mehr als Herr Schmieder.

Da stehen etliche Menschen, die etwas bewegt haben oder bewegen wollten. Die unsere Welt besser machen wollten und besser gemacht haben.

Und da steht auch ein gewisser Colin Kaepernick, der Mann der es „gewagt“ hat sich während der Hymne hinzuknien und dadurch (absurderweise) in der Lage war eine Diskussion über Rassismus anzustoßen. Obwohl Colin nicht ganz so gut Football spielen konnte, ich würde ihn Mr. Brady jederzeit als Vorbild vorziehen.

Ach so… Tom?! Starkes Spiel!

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montag: musique

weeping smiles

Die zweite Playlist. Diesmal für unverbesserliche Romantiker und lyrische Naturen.

Zeit die Ohrringe rauszukramen, die sie damals vergessen hat. Oder er.

Zeit an dem Parfüm zu riechen, was ganz hinten im Schrank steht. Ist es süßer als früher? Ist es zu süß? Oder gerade süß genug?

Zeit die Taschentücher mal wieder korrekt zu verwenden, zum Putzen der Nase oder um Tränen zu trocknen.

Zeit sich fallen zu lassen, ohne jemals aufzuschlagen.