Kategorien
mittwoch: freakyfuckedup

Super Intrigue League

Diese Woche Fucked Up: Die Super League.

Wer noch einen Beweis gebraucht hat, dass der Besitz von Macht und Geld nur sehr ausschnittsweise mit Intelligenz zu tun hat, konnte in den letzten Tagen ohne Ende Material beim Projekt Super League einsammeln. Die Art und Weise wie die Initiatoren der Super League, allen voran Florentino Perez, ihr geplantes Produkt auf den Markt geworfen haben, lässt wirklich daran zweifeln, ob da noch irgendwas arbeitet in den Köpfen der großen Fußball-Manager. Zu offensichtlich die Fehlplanung, zu miserabel das Timing und auch eine völlige Fehleinschätzung hinsichtlich des Zuschauerinteresses ist offensichtlich.

Perez, Bauunternehmer, Präsident von Real Madrid und geplanter Vorsitzender der Super League, wirkte dabei mehr wie ein verzweifelter Eigner eines insolventen Unternehmens auf der Suche nach einem letzten, dummen Investor, denn wie ein selbstbewusster Visionär. Und dass jetzt alles nach nicht einmal drei Tagen zusammen gebrochen ist, zeigt: Das ganze war einfach nur eine Scheißidee und peinlich für alle Beteiligten. Das Ergebnis Einstampfung ist das einzige realistische, denn die Super League wäre am bestehenden System Fußball eher früher als später zerschellt. Der Fußball ist eben ein grundkonservatives Milieu, das keine großen Neuerungen akzeptiert. Zwar eines in dem die Kunden fast alles kaufen und das zu teils absurden Preisen. Aber eben auch eines, das stolz ist auf das Fundament, auf dem der Profifußball fußt.

Dass quasi jeder, der gegen einen Ball tritt, irgendwie noch im gleichen Ligasystem agiert, gibt den oberen Ligen ihre Berechtigung, ihren Charme und versorgt alle Beteiligten mit dem dringend benötigten Tropfen Wir-Gefühl. Ohne diese Gemeinsamkeit, wird die Konsummaschine Profifußball zum einzig stilbildenden Objekt. Und die gesellschaftliche Leere sichtbar.

Was von der Super League noch bleibt, ist ein großer Machiavelli-Moment. Ein dilettantischer Dolchstoß, der letztlich im eigenen Arsch landete. Die Superintriganten haben versagt, die Gauner in den Sportverbänden jubeln.

Ein großer Reformbedarf bleibt, denn der Status Quo des Profifußballs ist nicht wirklich zufriedenstellend. Der Fußball tut sich m.E. dann einen Gefallen, wenn er sich nicht weiter aufbläst, sondern entschlackt. Weniger sinnfreie Wettbewerbe, mehr Qualität.

Wenn Spielergehälter und Beraterhonorare gedeckelt werden, wenn Ticketpreise stabilisiert werden oder sinken, wenn die wiederkehrenden Ballgeschichten von David und Goliath unseren Glauben daran stärken, dass mit Glück und Können alles möglich ist, dann wird die Liebe zum Spiel eine dauerhafte bleiben.

Hinterlasse einen Kommentar