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dienstag: die öffentliche meinung

Die Kunst des um Verzeihung Bittens

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Angela And The Easter bunnies – I’m begging for forgiveness

Ein denkwürdiger Moment war das, als unsere hauptberufliche Kanzlerin und Teilzeitmutter/-bewährungshelferin vor die Mikrofone trat und für einen Fehler (die kurzfristige Anberaumung der sogenannten Osterruhe) um Verzeihung bat. Für einen Fehler um Verzeihung bitten – oder wie man in der CSU sagt: Sich zum Affen machen.

Und sie hat es sogar richtig gemacht: Sie hat um Verzeihung gebeten und sich nicht etwa nur entschuldigt. Denn eine Entschuldigung ist streng genommen gar nicht möglich, es sei denn wir lassen eine ich-bezogene Selbstjustiz zu, quasi nach dem Motto: Ich vergebe mir alle Sünden (oder erlasse mir alle Straftaten). Nein, sie macht es anders, sie schwingt sich nicht zur Selbstjustiz auf, sie adressiert, sie bittet. Oder wie man bei der CSU sagt: Besser Totschweigen.

Ja, um Verzeihung bitten, das schaffen nicht viele, auch nicht der/die Liebhaber*innen von Tracy Chapman

oder Elton John. Und mal ehrlich – Musikalisch: Zum Glück!

Irgendwie ist es ja trotzdem schade, dass wir wohl niemals eine entsprechende Trauerbalade von Angelas schlechterer Hälfte hören werden, da sie stets rechtzeitig um Verzeihung bitten wird. So ein singender Quantenphysiker, das wär noch mal was gewesen! Joachim Sauer mit: Ein Quantum Trost?

Was bleibt? Angela sammelt Punkte auf menschlicher Seite und das Land summt den Corona-Blues. Und die Erkenntnis: Wenn Angela Merkel uns alle um Verzeihung bitten kann, dann können wir das auch. Um Verzeihung bitten. Und danke sagen. Kein Sorry, not Sorry! Um Verzeihung bitten und danke sagen. Es ist gar nicht so schwierig!

(…)

Das war ein Fehler. Ich möchte dich um Verzeihung bitten!

Danke!

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