Jetzt hat es die längste Zeit gedauert, sagt der deutsche Kinobetreiber und bestellt schon mal neues Öl für die Popcornmaschine – das alte ist in der langen Zwangspause ranzig geworden. Und der netflixgeplagte Medienkonsument denkt sich nach einem Jahr Wohnzimmer: „Ein großer Teil der Magie des Kinos ist wirklich seine Darbietung, die riesige Leinwand, der Sound, die dicken Teppiche, der quietschende Klappsessel und sogar das Geraschel von vorne rechts fehlt mir.“
Da kann auch ein schönes Heimkino nicht gegen anstinken. Also Vorfreudeprogramm rein und Action:
Im Kinokompendium kann der geneigte Filmfan schon mal sein favorisiertes Lichtspielhaus herausnerden, Critic liefert die passende Filmkritik, die regelmäßig klingt als hätte jemand eine filmwissenschaftliche Masterarbeit auf 300 Wörter eingedampft und dann noch das Yorck-Kinoabo bestellt, denn es bietet zu einem Preis, der kaum über dem Netflix-Premium-Paket liegt, Gelegenheit, die verpassten Filmerlebnisse in geballter Form nachzuholen.
Genug Anlass zur Vorfreude also. Aber was ist das, diese Vorfreude? Etwas anderes als Freude?
„Vorfreude ist die schönste Freude“, sagt ein Sprichwort, das die deutsche Seele ach so treffend widerspiegelt. Die Vorfreude ist also auch eine Freude, die Freude in Erwartung der Freude. Warum ist diese dann besser? Weil sie im Gegensatz zur Freude an der Freude nicht alsbald vorüber ist? Weil die Freude, sobald ihr Ende naht, schon überschattet wird? „It’s Friday, I’m in love, Saturday, wait, and Sunday always comes too late.“
Wäre dann nicht die größte Freude eine Freude auf eine Freude, die nie kommt, ich das aber nicht weiß? Das brauche ich hier glücklicherweise nicht zu beantworten. Lieber warte ich auf die wahre Liebe oder den Weltfrieden. Oder einfach nur auf das erste postpandemische Popcorn.
Süß, bitte.
