Das Vereinigte Königreich driftet zwar politisch immer weiter in den Atlantischen Ozean. Dafür ist es volle Kanne in den europäischen Schlagzeilen.
Aktuelle Highlights: Ex-Prinzessin Markle dreht bei Oprah das Königshaus durch den Rassismusfleischwolf und Alexander Boris de Pfeffel Johnson grillt uns mit seiner ellbogigen Impfkampagne.
Die Anschuldigungen gegen das britische Königshaus sind insbesondere deshalb brisant, weil dieses – man möge es mir verzeihen – nicht viel mehr als ein Relikt, einen politischen Blinddarm, darstellt. Seit 1834 hat das Königshaus nicht mehr entscheidend in die Geschicke des Parlaments eingegriffen und ist damit eher mit einem Entertainment-Unternehmen vergleichbar, als mit einer politischen Institution – obwohl es weiterhin erhebliche staatliche Beihilfen kassiert.
Eine Institution ohne echten Nutzen lebt aber vor allem von seinem Image. Und dieses wird durch die Anschuldigungen zu endemischem Rassismus erheblich beschädigt. Zwar sind auch in der Vergangenheit einige Skandale passiert. Diese stammen aber vor allem aus den Kategorien Schmuddel und Schwachsinn. Der Rassismusvorwurf hat dagegen politische Dimension und muss im Vereinigten Königreich, das sich erheblich über seine Weltoffenheit definiert, zu Verwerfungen führen.
Verwerfung ist ein gutes Stichwort, um auf Boris zurückzukommen. Mr. Johnson, der rein optisch betrachtet immer unter Strom steht, tatsächlich aber nur im Wachzustand, war letztes Jahr öffentlichkeitswirksam an CoVid19 erkrankt. Da er danach noch abgerissener aussah als vorher, darf vermutet werden, dass die Erkrankung nicht sonderlich angenehm gewesen ist. Boris, der sich vorher als ignoranter Prahlhans für unverwundbar gehalten hatte, hat dadurch offenbar dazu gelernt und impft derzeit im Vereinigten Königreich im sehr respektablen Tempo (bisher sind 22 Millionen Briten geimpft). Deutschland dagegen schleppt sich mit unpragmatischer, allzu konsensorientierter Impfpolitik durch das Frühjahr und liegt bei etwa 5 Millionen.
Müssen wir da vermuten, dass Johnsons persönliche Betroffenheit Anlass dafür war, ein Mehr an Impfstoffproduktionskapazitäten zu schaffen? Das wäre eine fatale Diagnose, lässt sich aber nicht beantworten. Betreibt Johnson eine UK-First-Strategie und verhält sich damit gegenüber der EU „unfair“? Auch hier mehr Fragen als Antworten.
Was bleibt ist ein ungutes Gefühl, dass wir unsere britischen Freunde langsam verlieren. Jetzt sind sie schon fast so weit weg wie Island. Und bald stoßen sie an die Nordamerikanische Ostküste. Von da aus können die Nachfolger der Mayflowergeneration wenigstens mit dem Bus zu Meghan und Harry nach Kalifornien touren. Eine Reise durch unbritisch sonnige, trockene Gefilde und niemand muss wegen seiner Hautfarbe hinten sitzen.
