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Dr. Stöcker oder: Wie ich lernte, die Impfung zu lieben

Prof. Dr. Winfried Stöcker ist Mediziner und selbsterernannter Erfinder des ersten Covid19-Impfstoffs. Bereits im März 2020 injizierte er sich Antigene und impfte in der Folgezeit seine Familie und Mitarbeiter seines Unternehmens.

Die ersten Berichte dazu wurden bereits im April 2020 verfasst (Nordbayern) (FAZ). Vor zwei Tagen hat SPIEGEL-TV ein Video dazu veröffentlicht. Tenor: Prof. Stöcker entwickelt Impfstoff und wird als Dank dafür von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Eine Message, die angesichts der amateurhaften Versuche der Bundesregierung eine Impfstrategie zu entwickeln – die zunehmend an Staatsversagen denken lassen (so Lobo im SPIEGEL) – sicher Reichweite entwickeln wird.

Warum Stöckers Ansatz, der sich u.a. an Drosten und das Paul-Ehrlich-Institut gewandt hatte, nicht weiter verfolgt wurde, ist weiterhin unklar. Natürlich ist es wichtig und sinnvoll, dass Impfstoffe ausführlich getestet werden (Berliner Morgenponst). Die Frage ist: War dies bei dem Antigen-Ansatz der Fall?

Dazu hat der SPIEGEL-TV Beitrag keine Antwort parat. Die Beweggründe des PEI und von Herrn Drosten bleiben nebulös. Dies aber lässt die Vermutung aufkommen, dass beim PEI geschlampt wurde und eine vielversprechende Möglichkeit, die Pandemie einzudämmen, verschlafen wurde.

Ich halte sowohl das Verhalten des PEI als auch die Berichterstattung von SPIEGEL-TV für nicht ausreichend.

Unabhängig davon, ob Stöcker rassistische Äußerungen (Tag24) getätigt hat oder sonst ein Unsymphat mit fragwürdigen Haltungen u.a. zu #metoo (Lübecker Nachrichten) ist, muss selbstverständlich jedem vielversprechenden Ansatz für einen Impfstoff nachgegangen werden. Und wenn dieser Ansatz für nicht erfolgversprechend gehalten wird, muss dies ausreichend begründet werden. Das hat das PEI bisher offenbar versäumt.

Und wenn SPIEGEL-TV in der aufgeheizten Stimmungslage einen derartigen Beitrag veröffentlicht, dann muss sich die Redaktion darüber im Klaren sein, dass dieser hauptsächlich Futter für Verschwörungstheoretiker und Wutbürger werden wird. Es ist niemandem damit geholfen, die Impfdebatte mit lückenhafter Berichterstattung – SPIEGEL-TV sagt zur Stellungnahme des Innovationsbüros des PEI lapidar, die Meinungen über den Inhalt des Telefongesprächs gingen auseinander – weiter zu emotionalisieren. Wenn nämlich das PEI gewichtige Gründe gehabt haben sollte, den Ansatz von Prof. Stöcker nicht zu verfolgen, dann wäre der Beitrag von SPIEGEL-TV eine journalistische Katastrophe.

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