#Actout (SZ). Unter diesem Slogan haben sich Anfang Februar 185 Schauspieler*Innen als homosexuell geoutet (ZEIT). Eine mutige, wichtige und bewundernswerte Aktion, sowohl für die Beteiligten, als auch für alle anderen Menschen, insbesondere solche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung selbst mit Vorurteilen konfrontiert werden.
Und dann kam Philip Lahm, wieselflinker Ex-Profifußballer und Geschäftsmann, und empfahl (als Teil seines neuen Buchs) den Mitgliedern „seiner“ Branche, den Fußballern, sich doch lieber nicht zu outen (SZ). Lahm weist dabei auf die „Gefahren“ des Outings hin, die jedem bewusst sein dürften, der die Fußballwelt und ihr Verhältnis zur übrigen Gesellschaft verfolgt. Der erste Profifußballer, der sich jemals geoutet hat, hieß Justin Fashanu und beging einige Jahre später Suizid (Wikipedia).
Was Lahm meint, ist nachvollziehbar. Es ist der einfachere (nicht einfache!) Weg mit der eigenen Homosexualität im Profisport, speziell im Fußball (SPIEGEL), umzugehen. Es ist aber, wie ich finde, der falsche.
Die Welt des Fußballs ist Zerrbild unserer Gesellschaft. Sie ist männlicher, weißer, konservativer, machistischer und eben auch homophober als andere Bereiche. Und es ist höchste Zeit daran etwas zu ändern.
Ich bin der Überzeugung, dass der beste Weg dafür ist, dass #Actout auf den Profifußball übertragen wird. Dass sich homosexuelle Profifußballer zusammenschließen und eine sexuelle Revolution ausrufen, um damit den Fußball in die gesellschaftliche Jetzt-Zeit zu überführen. Vielleicht gerade in CoVid-Zeiten, solange keine Zuschauer im Stadion sind, die ihre Dümmlichkeit beweisen wollen.
Es ist Zeit, dass der Zwang, die eigene Lebensweise zu verheimlichen oder sogar zu unterdrücken, auch im Fußball aufhört. Es ist an der Zeit, dass Homosexuelle auch im Fußball sichtbar und alltäglich werden. Es ist an der Zeit sich von einer Fankultur abzugrenzen, die auch weiterhin Ressentiments lebt und verbreitet. Die echten Fans werden dabei bleiben, denn einem echten Fan ist Fußball wichtig, nicht der/die Sexualpartner*In der Spieler*Innen.
Dieser Meinung ist auch das Fußballmagazin 11 Freunde und hat in seiner gedruckten Ausgabe mit der Initiative „Wir sind auf eurer Seite“ (Kicker) die Unterstützung homosexueller Fußballer*Innen klar gemacht. Max Kruse, Headliner der Kampagne, war schon immer einer meiner Lieblinge, nicht nur weil er jede Menge Zeug angestellt hat und super-kreativ spielt, sondern weil er auch sagt was er wirklich denkt, etwas was Herrn Müller ja immer unterstellt wird.
Jetzt bleibt noch die Frage, wie die Initiative getauft werden soll. Ich würde es spontan #Ballsout nennen, aber ich bin ein Schelm und wir finden sicher noch einen besseren Begriff. Auch glaube ich fast, dass die Frauen hier den ersten großen Schritt machen werden, denn die haben häufig mehr Eier (YouTube) in der Hose.
Ich finde, dass Herr Lahm an dieser Stelle ansetzen und einschwenken sollte auf eine Linie, die auf Überzeugung und Veränderung setzt, statt auf Verschwiegenheit. Und ich wünsche mir ganz konkret, dass Herr Lahm seine Empfehlung in der zweiten Auflage seines Buchs (so sie denn erscheint), abändert in:
Geht’s raus, spielt’s Fußball und seid wer ihr sein wollt!
