Google glaubt an Gott!? Und sperrt u.a. wegen Gotteslästerung die App des Satiremagazins Titanic im Android Play Store. Wer hätte das gedacht(?)
Anlass ist die doch recht profane Darstellung von Papst Franziskus mit Kruzifix im Hinterteil und eines entblößten Jesus, wie man ihn sonst nur im sommerlichen Berliner Tiergarten zu Gesicht bekommt.
Geil, ja! Fast so groß wie Kai Dickman. Aber ist das Gotteslästerung? Und wäre Gotteslästerung ein hinreichender Grund die App der Titanic zu sperren? Schauen wir doch mal in die die Play Store AGB…
– AGB des Google Play Store
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Die Vertriebsvereinbarung für Entwickler von Google Play verweist auf die Richtlinie für Entwickler. Ich habe dort nach einem Hinweis auf ein Verbot von Gotteslästerung gesucht, bin aber nicht fündig geworden. Der von der Titanic übermittelte Hinweis auf „profanity“ deutet also vermutlich auf etwas anderes hin, was meine Recherche zum Wort bestätigt:
Profanity is socially offensive language,[1] which may also be called cursing, cussing or swearing, cuss words (American English vernacular), curse words, swear words, bad words, or expletives. Used in this sense, profanity is language that is sometimes considered by certain parts of a culture to be strongly impolite, rude, or offensive. It can show a debasement of someone or something,[2] or be considered as an expression of strong feeling towards something.
In its older, more literal sense, „profanity“ refers to a lack of respect for things that are held to be sacred, which implies anything inspiring or deserving of reverence, as well as behaviour showing similar disrespect or causing religious offense.[3]
Da Google ja modernes Englisch spricht, geht es offenbar nicht um Gotteslästerung. Ich suche weiter und finde:
Pornografische Inhalte und vulgäre Sprache
Apps, die pornografische Inhalte oder vulgäre Sprache enthalten oder dafür werben, einschließlich Inhalten und Diensten, die der sexuellen Befriedigung dienen, sind nicht zulässig. Inhalte, in denen die Nacktheit offen dargestellt wird, sind erlaubt, wenn sie hauptsächlich pädagogischen, dokumentarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Zwecken dienen und nicht überflüssig sind.
Es geht also vermutlich um die dargestellte Nacktheit. Und die will Google erst ab 18 erlauben, auch im Cartoon. Dagegen streitet die Kunst- und Satirefreiheit, die sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr weit reicht, wobei ich stark davon ausgehe, dass die Titanic gute Chancen hätte, gegen die Sperrung vorzugehen. Gotteslästerung spielte dabei keine Rolle, allenfalls ist der Bezug zu Gottessymbolen ein Aspekt der Satire und damit eher auf Seiten der Titanic.
Fazit: Gott ist tot und spätestens Google hat ihn getötet. Das sollte der stellvertretende Feuilletonchef der FAZ doch eigentlich wissen. Und ja, wenn ich mich hier irren sollte, lasse ich mich gern ans Kreuz nageln.
