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freitag: science please

Life On Mars?

Is There Life On Maaaaaars?, sang einst David Bowie, Ehrenschöneberger und Nachbar meiner Eltern in den 70ern. Wir wissen es immer noch nicht, aber seit gestern Abend, 21:56 mitteleuropäischer Zeit (Marszeit ist mir nicht bekannt) sucht mal wieder ein Roboter nach Spuren außerirdischen Lebens.

Eine gewisse vorauseilende Ironie des Schicksals lässt sich angesichts der Mars-Erde-Verhältnisses nicht verleugnen. Während für die Entwicklung des ulkigen Marsrovers Perseverance 2,7 Milliarden Dollar locker gemacht wurden, kommt die internationale Staatengemeinschaft auf dem Planet Erde, der definitiv Leben enthält, nicht zu Potte dieses zu erhalten. Und dienten die Mondmissionen der 60er vor allem als Schwanzvergleich der Weltmächte UDSSR und USA, so wirken die aktuellen Marsexpeditionen wie Kompensationshandlungen eines prokrastinierenden Heliumballonpiloten, der merkt, dass er ein Leck in seinem Fluggerät hat, aber lieber Candycrush zockt.

Nun waren evolutionär sinnlose Ausgaben für Sektoren wie Raumfahrt und Militär oft auch Antrieb für technologische Errungenschaften im Zivilsektor. Vielleicht wäre es aber angesichts einer aktuellen Weltwirtschaftskrise 2.0 doch sinnhafter, Direktinvestitionen vorzuziehen, statt den Umweg über den Mars zu nehmen.

Das Weltall fasziniert mich. Und die technischen Errungenschaften speziell der Nasa sind beeindruckend. Ich glaube allerdings, dass diese klugen Köpfe gerade an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Mir drängt sich hier der Eindruck auf, dass öffentliche Gelder häufig ausgegeben werden, wie das Taschengeld von 10-jährigen Jungs: Hauptsache es knallt! Klar, Mama und Papa zahlen’s ja, da braucht der Fokus jetzt nicht unbedingt auf Sinn und Nachhaltigkeit zu liegen, lieber auf „das fühlt sich geil an“. Was aber auf dem Grundschulhof als Investion überzeugt (ein Mini-Marsrover) ist etwas anderes als was mich heute als Investition überzeugt (ein schöner Grundschulhof mit zahlreichen Angeboten für die Persönlichkeitsentwicklung).

Im besten Falle sind erwachsene Menschen sich der Tatsache bewusst, dass sie in einigen Bereichen die kleinen Kinder geblieben sind, die sie mal ganz waren. Und ich gebe gerne zu, dass ich auch oft Geld wie ein 10-jähriger ausgebe, aber das ist mein Geld und nicht das Geld der anderen. Daneben habe ich keine 2,7 Milliarden Dollar Spielgeld auf der hohen Kante und wenn ich sie hätte, würde ich sie eher in Photovoltaikanlagen stecken, statt in eine Entertainment-Expedition zum Mars. Und das, weil sowas wirklich wichtig ist.

Welcher Maßstab soll bei der Verwendung öffentlicher Gelder denn sonst gelten, als dass das Erlangte für uns alle (oder wenigstens diejenigen, die es finanziert haben) wirklich wichtig ist? Es ergibt keinen Sinn, das Dach auszubauen, wenn das Fundament porös ist!

Um zu erreichen, dass öffentliche Gelder wirklich uns dienen, müssen wir unsere Stimme erheben und kämpfen, für Kontrollmechanismen und Haftungsregelungen, die Steuerverschwendungen u.ä. vermeiden. Das erfordert vor allem viel Ausdauer oder auf Englisch: perseverance. Und wenn die Hausaufgaben erledigt sind, können wir immer noch zum Mars fliegen. Vielleicht ist David ja da.

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