Kategorien
dienstag: die öffentliche meinung

Vorbildrolle

Es kann kein größeres Vorbild geben als Tom Brady: Er zeigt, dass einem die Natur nicht unfassbare Athletik oder grandioses Talent schenken muss, um der Beste zu sein in dem, was man im Leben tut.

Das schreibt Jürgen Schmieder in der Süddeutschen und ich reibe mir verwundert die Augen. Brady, der Golfbuddy von Donald Trump ein größtmögliches Vorbild? Weil er hart an sich arbeitet und diszipliniert isst/ist? Der „Beste zu sein“, als sinnstiftendes Element und Ideal?

Was Brady kann: Er kann brilliant einen Football werfen. Und er sieht aus wie Barbies Ken. Und er verkauft Sportnahrung. Macht ihn das zum größtmöglichen Vorbild? Was macht ein Vorbild aus?

Wenn ich hoch ins Regal meiner Vorbilder greife, dann stehen da Leute wie Mandela oder Gandhi. Menschen, die für die Rechte anderer gekämpft haben, die Trauer und Schmerz auf sich genommen haben, die Überzeugen hatten und für Überzeugungen standen.

Da stehen Menschen wie die Geschwister Scholl oder Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die für Ihre Überzeugungen gestorben sind.

Da stehen die Gründungsmenschen der Europäischen Union, die aus einem gemarterten Kontinent ein neues Konstrukt geschaffen haben, das eine Brücke über den Hass sein konnte und ein Weg zur Versöhnung.

Da stehen meine Eltern, weil sie es geschafft haben, dass ich einiges verstehe von dieser Welt, jedenfalls mehr als Herr Schmieder.

Da stehen etliche Menschen, die etwas bewegt haben oder bewegen wollten. Die unsere Welt besser machen wollten und besser gemacht haben.

Und da steht auch ein gewisser Colin Kaepernick, der Mann der es „gewagt“ hat sich während der Hymne hinzuknien und dadurch (absurderweise) in der Lage war eine Diskussion über Rassismus anzustoßen. Obwohl Colin nicht ganz so gut Football spielen konnte, ich würde ihn Mr. Brady jederzeit als Vorbild vorziehen.

Ach so… Tom?! Starkes Spiel!

Hinterlasse einen Kommentar